Ökostrom ist weltweit gefragt. In aller Welt wollen Regierungen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren. Foto: dpa

Beim Wettbewerb um Fördergelder für Ökostrom hatten Anbieter von Solarenergie die Nase vorn, weil sie den Strom kostengünstiger produzieren. Die Bundesverbände der Solar- und Windenergie kritisierten die gemeinsame Ausschreibung für beide Technologien. Doch der Versuch muss erlaubt sein, meint unsere Autorin.

Stuttgart - Die Idee ist für Deutschland gewöhnungsbedürftig. Lange Zeit lief die Energiewende in erster Linie staatlich gesteuert ab, Wettbewerb spielte erst seit Kurzem eine Rolle. Entsprechend widerwillig beugte sich die Bundesregierung vor knapp zwei Jahren auch dem Willen der EU-Kommission, dem bereits wettbewerbsfördernden Instrument der Ausschreibung noch etwas mehr Wettbewerb einzupflanzen und Wind- und Solarenergie gegeneinander antreten zu lassen.

Das Ergebnis der ersten derartigen Ausschreibung, deren Ergebnis die Bundesnetzagentur am Donnerstag veröffentlicht hat, scheint Bedenken nun auch zu bestätigen: Die Solarenergie hat die Nase vorn. Kein einziges Windenergieprojekt ist zum Zug gekommen. Das ist eigentlich nicht im Sinne der Energiewende, denn Solar- und Windstrom machen sich keine Konkurrenz, sondern ergänzen sich. Gerade dann, wenn wenig Sonne scheint – im Winter oder nachts – weht oft vermehrt Wind. Beide Quellen gemeinsam können ohne andere Technologien keine verlässliche Energieversorgung garantieren. Zu einer Stabilisierung trägt die Kombination von Wind und Sonne aber eindeutig bei. Sie gegeneinander auszuspielen ist keine gute Idee.

Zu hektischen Nachbesserungen gibt es im Moment aber aus mehreren Gründen dennoch keinen Anlass. Erstens muss der Strom aus Sonnenkraft in Deutschland in der Tat noch aufholen: Nur knapp 20 Prozent des Ökostroms kommen aus Fotovoltaikanlagen. Den Löwenanteil trägt mit gut 40 Prozent die Windenergie. Zweitens betrifft die technologieübergreifende Ausschreibung mit 400 Megawatt jährlich nur etwa ein Zehntel des ausgeschriebenen Ökostroms. Der Großteil wird weiterhin getrennt nach Solarkraft, Windkraft an Land und Windkraft auf See ausgeschrieben. Und zum Dritten ist es nicht ausgemacht, dass die nächste Auktion, die am 1. November enden wird, genauso wie die erste ausgeht. Ganz im Gegenteil spricht viel dafür, dass nun auch für die Windenergie an Land die Kosten sinken werden. Drei Jahre sind ein guter Zeitraum, um eine neue Idee in einem beschränkten Rahmen auszuprobieren. Ganz ohne experimentieren geht es bei der Energiewende nicht.

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