Viele Menschen in Afrika leiden schon jetzt unter den Folgen des Klimawandels – dabei verursacht niemand so wenig Treibhausgase, wie der kaum entwickelte Kontinent Foto: dpa

Nicht nur Klimaschützer hoffen, dass sich die Staaten der Welt im Dezember auf ein Klimaabkommen einigen können. In Bonn sollten Diplomaten bei einer Konferenz an der Vorlage feilen. Aber die großen Brocken bleiben für Paris übrig. Dort müssen die Regierungschefs zeigen, was ihnen der Klimaschutz wert ist, kommentiert Steffen Rometsch.

Stuttgart - 195 Staaten sollen im Dezember in Paris ein globales Abkommen besiegeln, um die Erde vor dem Klimakollaps zu bewahren. In Bonn haben sich in dieser Woche Diplomaten an der kniffligen Aufgabe versucht, einen möglichen Vertragsentwurf vorzubereiten. Erklärtes Ziel des Pariser Klimagipfels ist es, die Erderwärmung auf unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dafür muss der Ausstoß von Treibhausgasen weltweit massiv gesenkt werden.

Das Scheinwerferlicht bei der UN-Konferenz in Bonn war nicht ganz so hell, wie das in Paris der Fall sein wird. Gerade deshalb sollten in der Stadt am Rhein die Weichen gestellt werden. Doch fünf Wochen vor Beginn des entscheidenden Treffens der Regierungschefs und Minister in der französischen Hauptstadt ist noch unklar, ob es ein gutes oder schwaches Klimaabkommen geben wird. Auch nachdem 2000 Unterhändler aus 195 Staaten fünf Tage lang um Worte und Inhalte gerungen haben, steht am Ende ein Text, der noch immer zu lang, zu unkonkret und zu wenig entschlossen ist. Für die Schlüsselfragen des Pariser Abkommens liegen sowohl ambitionierte als auch schwache Lösungen auf dem Tisch.

Jetzt ist es an der Regierungschefs, politische Entscheidungen zu treffen, um das Weltklima noch zu retten. Sie müssen über ihren Schatten springen – oder sie scheitern. 150 Länder haben mittlerweile Pläne vorgelegt, was sie in Sachen Klimaschutz zu tun gedenken. Eine solch breite Beteiligung durch alle Kontinente, Entwicklungsstufen und unterschiedliche Positionen ist ein hoffnungsvolles Signal und belegt den Stellenwert, den der Klimaschutz mittlerweile hat.

Der Aussteig aus fossilen Energieträgern ist unumgänglich

Allerdings: Nach aktuellen Berechnungen ließe sich die Erderwärmung mit den vorgelegten nationalen Plänen nur auf etwa 2,7 Grad begrenzen. Das reiche natürlich nicht aus, um das Ziel einer maximalen Zunahme der Erderwärmung um zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zu erreichen, hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks dieser Tage in einem Interview richtig geschlussfolgert. Mit ihrem Nachsatz „Da haben wir zum Glück noch 85 Jahre Zeit“, liegt die SPD-Politikerin allerdings grundfalsch. Denn wenn diese Vorgabe erreicht werden soll, ist jedes Jahr, das vorbeizieht und in dem die Emissionen noch so hoch sind wie heute, ein Jahr das uns weiter entfernt von der Möglichkeit, dieses Klimaziel noch zu schaffen. Wenn die heutigen Emissionen zehn Jahre so weitergehen, verlieren wir mit jeder Dekade ein halbes Grad Klimaziel. In zehn Jahren ist das 2,5-Grad-Ziel so ehrgeizig, wie heute das Zwei-Grad-Ziel.

Das Pariser Abkommen muss daher einen klaren Zeitplan aufstellen, wie Emissionen stärker reduziert werden sollen, aber auch wie dies kontrolliert und gegebenenfalls sanktioniert werden kann. Ziel muss eine Dekarbonisierung, ein Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis Mitte des Jahrhunderts sein – was im Umkehrschluss eine 100-Prozent-Versorgung aus erneuerbaren Energien erfordert. Gelingt es nicht, den Ausstoß von Treibhausgasen massiv zu senken, wird das irreversible Folgen haben. US-Präsident Barack Obama hat es einmal so formuliert: „Wir werden unsere Kinder zu einem Planeten verdammen, der jenseits ihrer Reparaturfähigkeiten liegt.“

Welche Auswirkungen das haben wird, können wir in Europa und in Deutschland schon jetzt erahnen: Wenn die Folgen des Klimawandels in Teilen der Erde nicht mehr beherrschbar sind, werden sich die Menschen dort auf den Weg machen. Dann kommen zu den tausenden Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlingen auch noch Millionen Klimaflüchtlinge hinzu.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: