Im Sprachlabor: Besucher hinterlassen ihr schwäbisches Lieblingswort. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Die Große Landesausstellung über die Schwaben war ein voller Erfolg. Es gibt allerdings einen Wermutstropfen, meint Lokalchef Jan Sellner.

Stuttgart -

Was sagt der Schwabe im Zustand höchster Verzückung? „Schee war’s!“ Schlicht und einfach, wie dieser Menschenschlag angeblich ist, aber eben nur angeblich . . . In Wahrheit war die große Schwabenausstellung im Stuttgarter Alten Schloss nicht nur schön, sie war auch aufschlussreich, denn sie hat ein Schwabenbild gezeichnet – oder vielmehr verschiedene Schwabenbilder – , die der Lebenswirklichkeit sehr viel näher kommen als die gängigen Klischees, ohne diese zu ignorieren. Der vermeintlichen schwäbischen Begrenztheit und Einfalt wurde die Vielfalt der Kultur, des Denkens und der Lebensart der Menschen gegenübergestellt, die man gemeinhin Schwaben nennt. Dazu darf man dem Landesmuseum Württemberg gratulieren.

Umso mehr, als diese Botschaft bei den 125 000 Besuchern erkennbar angekommen ist und von ihnen angenommen wurde. Für die vielen Schwaben unter ihnen war der Ausstellungsbesuch häufig eine Entdeckungsreise zu sich selbst. Für die Reingeschmeckten dürfte der Erkenntnisgewinn noch größer ausgefallen sein. Auf eine Kurzformel gebracht lautet er: Schwäbisch ist nicht simpel, sondern komplex.

Gelungen ist dies alles auf kreative, spielerische Weise – ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit hochgezogenen Mundwinkeln, denen spätestens beim Aufenthalt im schwäbischen Sprachlabor ein kräftiges Lachen entwich. Einziger Wermutstropfen: Die Schulen haben die Ausstellung weitgehend ignoriert. Regionalgeschichte spielt bei ihnen aktuell keine Rolle. Schwaben ade! heißt es am Sonntag im Alten Schloss. Es wäre zu wünschen, dass das Thema im Bildungsplan eine Fortsetzung findet. Oder wie der Schwabe im Zustand höchster Erwartung sagt: „Machet nore!“

jan.sellner@stzn.de

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