Shared Space heißt das Zauberwort für gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr - doch das Modellprojekt in der Tübinger Straße funktioniert nicht gut. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Vorstellung von gegenseitiger Rücksichtnahme auf einer Mischverkehrsfläche ist schön. Doch die Praxis zeigt, dass das Modell Shared Space nicht gut funktioniert.

Stuttgart - Wer nicht hören will, muss fühlen. So einfach ist das manchmal. Seit Jahren ist das Parken in der Mischverkehrszone in der Tübinger Straße nicht mehr erlaubt. Und trotzdem wird jede noch so kleine Lücke zum Abstellen des Autos genutzt. Die meisten tun das nicht aus Unwissen, sondern mit voller Absicht. Wenn der Strafzettel zur Abschreckung nicht ausreicht, muss man zu deutlicheren Maßnahmen greifen. Deshalb ist es gut, wenn das Ordnungsamt Autofahrer, die immer und immer wieder auffallen, den zuständigen Führerscheinstellen melden – wegen Zweifel an der Befähigung, ein Kraftfahrzeug zu führen. Wenn es nicht nur an den Geldbeutel, sondern an den Führerschein geht, wächst die Einsicht erfahrungsgemäß schlagartig.

Und doch stellt sich die Frage, ob das Modell an sich nicht eine Sackgasse ist. Offenkundig lassen sich Verkehrsteilnehmer nicht so einfach zu rücksichtsvollen Menschen erziehen, die den vorhandenen Raum fair miteinander teilen und jederzeit aufeinander achten. Verkehrsexperten in der Stadtverwaltung verweisen auf so manchen Radfahrer, der die Mischverkehrsfläche offenbar als Einladung versteht, ungebremst zu rasen. Autofahrer stellen ihre Gefährte nach Wegfall der Parkplätze einfach vor die Sitzbänke. Und die Fußgänger gehen weiter an den Seiten. Eigentlich ist das ein Armutszeugnis für die Leute, aber offensichtlich tut ihnen zu viel Freiheit auf der Straße nicht gut.

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