Die Gastronomie leidet unter den Nachwirkungen von Corona-Pandemie und Inflation. Die Mehrwertsteuersenkung in diesem Jahr auslaufen zu lassen, könnte fatale Folgen für die Branche haben, meint Frederic Feicht.
Wenn man durch die Esslinger Innenstadt läuft, sieht man die Schilder: Koch gesucht, Service-Personal gesucht, verkürzte Öffnungszeiten wegen Personalmangels. Schon seit Jahren kämpft die Gastronomie mit einem Problem nach dem anderen. Wenn die Bundesregierung die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf sieben Prozent Ende des Jahres nicht dauerhaft verlängert, tritt sie einer bereits humpelnden Branche die Gehhilfe weg, die sie ihr vorher geliehen hat.
In den vergangenen Jahren hat sich das Gaststättengewerbe metaphorisch die Achillessehnen in ihren beiden wichtigsten Standbeinen – Gäste und Angestellte – angerissen. Bis sie wieder problemlos laufen, geschweige denn rennen kann, wird es noch dauern. Erst haben die strikten Corona-Auflagen, wie eingeschränkte Öffnungszeiten und ständig wechselnde Test- und Maskenregeln, vielen Gourmets die Lust aufs Genießen verleidet und das Vertrauen der Angestellten in eine berufliche Zukunft im Restaurantbereich zerstört. Die Garantie, dass so etwas wie eine Pandemie nicht noch einmal passiert, gibt es schlicht nicht. Danach stürzte die Gastronomie nach einer zu kurzen Erholungsphase über die Inflation, ausgelöst durch den Ukrainekrieg, was ihre Genesung deutlich verlangsamt hat: Der Anstieg der Löhne, von Strom und Gas sowie der Lebensmittelpreise sind aktuell der Rückschlag, der droht, aus einem angeschlagenen Patienten mit guten Prognosen einen mit chronischen Beschwerden zu machen.
Zum Glück hat die Bundesregierung der Branche in Form der Mehrwertsteuersenkung Krücken gegeben, damit sie sich zumindest schleppend weiter fortbewegen kann. Jetzt ist die Frage, ob sie diese Gehhilfe zu Neujahr wieder von ihr zurück möchte. Eine Entscheidung, von der abhängt, wie es bei bundesweit deutlich über einer Million Beschäftigten in der Gastronomie zukünftig weitergehen wird. Eines ist jetzt schon sicher: Viele werden einen Anstieg von zwölf Prozentpunkten nicht bewältigen können.