Kanzlerin Angela Merkel kann nicht so weiter machen wie bisher Foto: dpa

Die schwarz-gelbe Regierung ist abgewählt. Rot-Rot-Grün will nicht. Also bleibt Angela Merkel Regierungschefin. Zumindest das scheinen gesicherte Erkenntnisse, schreibt StN-Chefredakteur Christoph Reisinger im Kommentar.

Stuttgart - Die schwarz-gelbe Regierung ist abgewählt. Rot-Rot-Grün will nicht. Also bleibt Angela Merkel Regierungschefin. Zumindest das scheinen gesicherte Erkenntnisse, die das Ergebnis der Bundestagswahl hergibt.

Falsch liegt die so wuchtig bestärkte Kanzlerin, wenn sie ihre dritte Amtszeit unter dem Motto frei nach Herbert Grönemeyer angeht: Wir schauen kurz auf und grasen dann gemütlich weiter. Sie wird sich in Europa auf einen Weg aus der Krise festlegen müssen. Mit ihrer DDR-planwirtschaftlichen Energiewende geht es so nicht weiter. Die finanz- und wirtschaftspolitische Modernisierungspause, die Schwarz-Gelb dem Land seit 2009 verpasst hat, geht zu Lasten der jüngeren Generationen.

Umso spannender wird die Bildung der Regierung. Das historische und zu großen Teilen hausgemachte Aus der FDP im Bundestag – der Knaller dieser Wahl – erzwingt neue Bündnisse. Keines beschert der Union ein Ruhekissen. Schwarz-Rot so wenig wie Schwarz-Grün.

Die sogenannte Große Koalition wäre gar keine. Die SPD konnte gerade mal gut ein Viertel der Wähler davon überzeugen, dass Peer Steinbrück mit seinem lupenreinen Sigmar-Gabriel-Wahlprogramm der bessere Kanzler gewesen wäre. Ein Debakel. Das macht den Weg der SPD als echte Juniorin in die Arme der Union besonders weit. Zumal sich so viele Sozialdemokraten als „traumatisiert“ bezeichnen durch ihr erstes Bündnis mit Merkel, in das sie wesentlich stärker gestartet waren. Nur um in der folgenden Wahl schwer geschlagen zu werden. Eine Koalition mit derart lustlosen Partnern wird die Kanzlerin weniger stabil tragen, als das bei oberflächlicher Betrachtung scheinen mag. Trotz vieler Gemeinsamkeiten in der Außen-, Sozial- und Energiepolitik.

Deutlich stärker nach vorn gerichtet wirkt dagegen die Variante zwei: das erste schwarz-grüne Bündnis im Bund. Zwar sind die an ihrer Spitze in Selbstgefälligkeit erstarrten Grünen hart gelandet. Nach ihrer idiotischen, in der Sache durch nichts gerechtfertigten Steuererhöhungskampagne von den Wählern auf neue Bescheidenheit gestutzt. Aber dieses Bündnis würde die Machtoption beider Parteien schlagartig verbreitern. Deutlich und mutmaßlich auf lange Zeit.

Merkel und der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus haben diese Möglichkeit 2010 verfrüht und ohne Not verworfen. Und dafür im Jahr darauf mit dem Verlust der Macht in Baden-Württemberg bezahlt. Jetzt wäre die Gelegenheit, diesen Fehler auszubügeln. Allein, eine Kanzlerin auf dem Höhepunkt ihrer Popularität und eine CDU, die gerade in Baden-Württemberg ein Superergebnis eingefahren hat, verspüren keinen Druck in diese Richtung.

Gut möglich also, dass beide Parteien hinter den Gräben verharren, die sie vor allem in der Steuer- und der Energiepolitik trennen. Rücken sie allerdings ihre Fähigkeiten zur Erneuerung in den Vordergrund, hätte ihr Bündnis das Zeug, ein gutes für Deutschland zu werden.

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