Die Bewohner der ukrainischen Halbinsel Krim haben – wie erwartet – mit deutlicher Mehrheit für einen Anschluss an Russland gestimmt. Am Sonntagabend feierten Tausende auf den Straßen von Simferopol die Abspaltung von der Ukraine. Foto: dpa

Putins Landnahme auf der Krim gibt es nicht kostenlos für Russland.

Das Volk hat abgestimmt, die ukrainische Krim kehrt heim zu Russland. Dieser bizarre Vorgang erinnert an ähnliche Vorgänge aus der Geschichte Deutschlands und seiner Nachbarn - kurz nach dem Ersten Weltkrieg.

Tatsächlich wirkt komplett aus der Zeit gefallen, was Russlands Führung und ihre Sachwalter in der Ukraine ­gerade aufführen. Diese Rosstäuscher hauen auf die Propagandapauken des ewig gestrigen Nationalismus. Sie ziehen neue Trennlinien in Europa, schüren ­Konflikte. Bitter, dass selbst die Erfahrungen aus den Weltkriegen und dem teils blutigen Ende der Sowjetunion den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht von einer derart geschichts­vergessenen Politik abhalten.

Für den Augenblick mag er triumphieren. Aber Putins Landnahme auf der Krim gibt es nicht kostenlos für Russland.

Ein hoher Preis wird bereits fällig: Ringsum ist jegliches Vertrauen in die russische Außenpolitik dahin. Wobei es unredlich wäre, die seit Jahren fortschreitende Entfremdung Russlands vom Rest Europas allein Putin anzulasten. Im Umgang mit der Ukraine kopiert er manches, was ihm westliche Regierungen in der Kosovo- und in der Libyen-Krise vorgemacht haben.

Ob sich neues Vertrauen einstellt, hängt davon ab, ob diese Regierungen jetzt standfest und zugleich besonnen reagieren – und Verbündete wie die baltischen Staaten und Polen sichtbar stärken, aber nicht ihre Drähte nach Moskau kappen. Viel mehr aber kommt es auf Putin an. Mit jedem weiteren Tag, den seine Truppen die Ukraine bedrohen, isoliert er Russland mehr.

c.reisinger@stn.zgs.de

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