Ein neues Verfahren bei der Pflanzenzüchtung weckt Hoffnungen und Ängste. Foto: dpa/S. Schuldt

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg bremst seine eigene Forschungsministerin aus: Die Grünen opfern die offene Forschung ihrem Glaubenskampf gegen die grüne Gentechnik.

Stuttgart - Schon bemerkenswert, wie Ministerpräsident Kretschmann seine Kabinettskollegin und Parteifreundin Theresia Bauer da ausgebremst hat. Ein Forschungsprogramm zur grünen Gentechnik solle sie „auf Eis“ legen. Zuvor hatten die eigene Partei, Bienenschützer und Biobauern rebelliert. Gentechnik im grünen Südwesten mit seiner kleinteiligen Landwirtschaft? Das gehe ja wohl gar nicht. Kretschmann hat offenbar gespürt, dass ein Festhalten am Projekt einen Sturm des Widerstandes in der Fraktion ausgelöst hätte, der nicht zu bändigen wäre. Den Grünen hängt nach, wie sie beim Artenschutz-Volksbegehren von einigen Bienenschützern vor sich hergetrieben und ökologisch überholt worden sind.

 

Mit dem Stopp des Programms wird die Schädigung des Forschungsstandorts Baden-Württemberg billigend in Kauf genommen. Wohlgemerkt: Es geht nicht um die ungenaue Gentechnik von gestern, sondern um ein gezieltes, minimales Verändern durch sogenannte Genscheren – eine neue Methode, deren Ergebnisse auch durch normale Züchtung erreicht werden können, nur viel langsamer. Die Bundesspitze der Grünen will da durchaus eine gelockerte Debatte zulassen. Zu beachten ist, dass das Genom-Editing in Deutschland im Labor erlaubt ist und im Feldversuch nach einer Genehmigung durch nationale und EU-Behörden nach der Einhaltung von Regeln möglich ist. Aber im Südwesten wird erst mal nichts geprüft. Und geforscht wird woanders.

christoph.link@stzn.de