Bereits vor zehn Jahren hatte der Gemeinderat ein Radwegenetz beschlossen – ohne erkennbare Folgen. Foto: factum/Weise

Selbst flammenden Fans der PS-starken Fortbewegung müsste jeder Radfahrer willkommen sein, aber in Sindelfingen sollen von der Idee für ein Radwegenetz bis zur Verwirklichung 30 Jahre vergehen.

Sindelfingen - Der Ausbau der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen soll weniger als fünf Jahre dauern, und zwar samt einem Lärmschutzdeckel auf einer Streckenlänge von einem knappen Kilometer. Um 45 Kilometer Radwege zu markieren, will sich die Stadt Sindelfingen doppelt so lange Zeit lassen. Vollständig wird dieser Vergleich mit dem Hinweis darauf, dass der Gemeinderat schon seit 20 Jahren über das Thema Radwegenetz diskutiert. Mithin werden von der Erkenntnis bis zum Vollzug 30 Jahre vergangen sein – bestenfalls.

Dies belegt vor allem, dass das Thema Mobilitätswende in vielen Köpfen noch immer nicht angekommen ist. Selbst flammenden Fans der PS-starken Fortbewegung müsste jeder Radfahrer willkommen sein. Er verkürzt den Stau und nimmt niemandem einen Parkplatz weg – von flächendeckend drohenden Fahrverboten und dem Klimawandel einmal ganz abgesehen. Stattdessen werden Radler behandelt, als wären sie irgendwo zwischen Hindernis und Merkwürdigkeit einzuordnen.

Sicherlich, Sindelfingen ist mit seiner Zögerlichkeit nicht allein. In der Nachbarschaft sieht es nicht besser aus. Aber ausgerechnet der Stadt Sindelfingen, einer der reichsten der Republik, galten Radwege jahrelang als zu teuer. Der dazu passende Vergleich: Die Sanierung der Tiefgarage unter dem Marktplatz soll 30 Millionen Euro kosten und dreieinhalb Jahre dauern.

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