VW-Chef Martin Winterkorn gibt sich gelassen Foto: dpa

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn gibt sich nach den Führungsquerelen gelassen. Doch das größte Problem, die künftige Führung des Konzerns, ist noch völlig ungelöst, kommentiert Klaus Köster.

Stuttgart - Viele Stunden lang saßen die VW-Aktionäre zusammen, um sich selbst ein Bild von dem Konzern zu machen, über den in den vergangenen Wochen ein medialer Tornado hinweggefegt war. Konzernchef Martin Winterkorn gab sich zwar alle Mühe, die Querelen um Ex-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch nicht zu dominant werden zu lassen – doch der Erfolg war begrenzt.

Dennoch war die Strategie richtig, denn sie signalisierte, dass er Wichtigeres anpacken will als die Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit. Und da gibt es ja genügend Aufgaben.

Wenn Konzerne sich selbst in eine Großbaustelle umwandeln, bleiben meist wichtige Aufgaben unerledigt. VW hat einen jahrelangen Übernahmekampf um Porsche und die Integration des Stuttgarter Herstellers hinter und die Schaffung eines Nutzfahrzeugherstellers mit MAN und Scania vor sich.

Unter normalen Umständen wäre dem Management womöglich früher aufgefallen, dass die Geschäfte in den USA aus dem Ruder laufen; und man hätte vielleicht auch mehr Energie in die Präsenz auf dem wachstumsstarken Billigauto-Sektor gesteckt.

Wenn man Winterkorn eines nicht vorwerfen kann, dann ist es Selbstgefälligkeit. Er benennt die Probleme und will sie anpacken. Doch die allergrößte Aufgabe wartet nicht auf Weltmärkten auf VW, sondern im eigenen Haus. Die Frage, wer dem bald 68-Jährigen einmal nachfolgen wird. Und ob ein 600 000-Mitarbeiter-Konzern noch so zentralistisch geführt werden kann, wie dies heute der Fall ist.

In Zeiten, da die Digitalisierung auch in der Autobranche nach ganz neuen Geschäftsmodellen verlangt, sind Schnelligkeit und Wendigkeit wichtiger denn je. Verglichen mit dieser Aufgabe ist die Rückeroberung von Marktanteilen in den USA geradezu einfach.

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