Im Elsental können Kinder frei mit ihrer Zeit umgehen - noch. Die Jugendfarmen im Raum Stuttgart sollen ihre Angebote der neuen Schullandschaft anpassen. Das stellt viele vor eine große Herausforderung Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Dass Jugendfarmen und Aktivspielplätze Schulkinder künftig auch betreuen statt sie auf ihrem Gelände nur gewähren zu lassen, ist kein Problem. Es muss aber beides möglich sein, weil die Farmen sonst ihren Charakter verlieren, meint unsere Lokalredakteurin Barbara Czimmer-Gauss.

Stuttgart - Die Besucherzahlen auf den Jugendfarmen und Aktivspielplätzen sprechen für sich: Bis zu 70 Kinder und Jugendliche kommen täglich auf die ihrem Wohnort nächst gelegene Farm. Wer eine solche Oase jemals besucht hat, kennt die friedliche Atmosphäre dort und die Ernsthaftigkeit, mit der sich Kinder den Aufgaben dort widmen. Ganz zu schweigen von der Wonne, die viele auf dem Rücken der Ponys empfinden. Mitten in der Stadt ein Stück Paradies – wer wollte das aufs Spiel setzen?

Im Zuge des Ganztagsausbaus verlieren die Farmen nun aber Besucher und bemühen sich deshalb redlich um neue Angebote. Dazu gehören ein verlängertes Ferienangebot im Sommer. Oder aber eine Kita auf dem Gelände, die mehr bieten kann als es ein Waldtag pro Woche tut.

Nun kommen weitere Anforderungen auf die Farmen zu: Sie sollen sich an der Ganztagsschule beteiligen, sie sollen auch den Teilzeitschülern Betreuung und Mittagessen anbieten. Und sie sollen behinderte Kinder aufnehmen und mit ihnen gut umgehen können.

Nicht alle Jugendfamen sind der Herausforderung gewachsen

Dieser Herausforderung ist nicht jeder kleine Trägerverein gewachsen. Es gibt einige Jugendfarmen, die es geschafft haben, Kitas zu integrieren, inklusive Angebote zu machen und mit Schulen kooperieren. Ihre Erfahrungen können hilfreich sein. Ausreichend sind sie nicht.

Es war politischer Wille in der Stadt, Ganztagsschulen auszubauen, Hortplätze und die schulische Nachmittagsbetreuung für Teilzeitschüler abzubauen. Nun sollte die Verwaltung die Kooperation stützen, sei es mit Personalstellen, sei es mit Hilfen bei der Konzeptentwicklung, analog zu den Bemühungen um die Sportvereine, die sich in der Ganztagsschule einbringen.

Ohne Unterstützung könnte es passieren, dass die Jugendfarmen sich, um weiter existieren zu können, verbiegen und ihren Charakter verlieren. Das kann die Stadt, in der die bundesweit erste Jugendfarm gegründet wurde, nicht wollen.

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