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Verschnarcht, althergebracht – wo liegt der Kick beim Wählen? – fragt StN-Chefredakteur Christoph Reisinger.

Stuttgart - Bundestagswahl? Stinklangweilig! Da geht es  doch um die immer ziemlich gleichen  Politikernasen, die von eintönig nichtssagenden Wahlplakaten grüßen. Dazu gibt’s  Phrasen in Endlosschleife, die so durchsichtigen wie unerfüllbaren Verheißungen. Und  als ach wie vorhersehbare Zugabe zum Tag vor der Wahl folgt die  Chefredakteurs-Fingerübung auf Zeitungsseite eins, der staatstragende Appell: Wählen gehen!

Ja, das war schon immer so in dieser Republik. Und so wird’s auch bleiben. Hoffentlich.

Zugegeben, ein verschnarchterer Wahlkampf war selten. Debatten um die korrekte Fingerhaltung von Spitzenkandidaten gehörten schon zum Höchsten an inhaltlicher Auseinandersetzung, der die Wahlberechtigten ausgesetzt waren. Da hätte es in der Tat nicht nur ein wenig mehr sein dürfen. Wobei an dieser Stelle auch mal eingeräumt sei: Das Funktionieren verschiedener Bestandteile des Euro-Rettungsschirms – immerhin eine nationale Schicksalsfrage – und die jeweilige Politikersicht darauf lassen sich schlecht in 30 Minuten Wahlkampfrede verpacken. Da muss  halt platt, plakativ und griffig  geschwätzt werden. Es geht um Werbung.

Reicht also das verschwiemelte Grundrauschen dieser Kampagne, um die Bundestagswahl für überflüssig zu halten? Genügt es, dass der Wahltag so viel Schontausendmalgesehenes mit sich bringen wird, um aufs Stimmrecht zu verzichten? Doch nur den Verbohrten, die eine  Diktatur zum besseren Gesellschaftsmodell erklären. Oder den Einfältigen, die eine Demokratie ohne Demokraten für möglich halten. Oder den Verantwortungslosen, die aus Unbehagen über ihre persönliche Situation auf den freien Rechtsstaat spucken und auf das, was ihn zusammenhält.

Stinklangweilig kann’s  niemals  werden, wenn es ums Eingemachte geht.Wenn die Wahlberechtigten  die Machtverhältnisse im Land sortieren. Macht auf Zeit, Ämter  auf Zeit, immer wieder abhängig von der Bestätigung an den Urnen: Wenn das kein großes Rad ist, das da gedreht wird – ja was denn dann? Also: Wählen gehen!

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