Die neuen Studienergebnisse zur Gymnasialzeit bestätigen, was schon Notenvergleiche gezeigt haben: Die Noten der Schüler des G8 unterscheiden sich kaum von denen der Schüler des G9. Foto: dpa

Die neue Gymnasialstudie reicht nicht für weitergehende Entscheidungen, meint unsere Bildungsredakteurin Maria Wetzel.

Stuttgart - Die Studienergebnisse zur Gymnasialzeit, die der Tübinger Erziehungswissenschaftler Ulrich Trautwein jetzt präsentiert hat, überraschen nicht wirklich. Die Befragung von 5000 Abiturienten von 2011 bis 2013 bestätigen in Bezug auf die Leistungen, was zuvor schon Notenvergleiche zwischen den beiden Gruppen gezeigt haben: Die Noten der Schüler in achtjährigen Zügen unterscheiden sich kaum von denen der Schüler in neunjährigen Zügen.

Dass die Schüler mit kürzerer Gymnasialzeit über mehr Stress und häufigeres Unwohlsein klagen, ist aus Sicht der Experten nachrangig und kein Grund, erneut über die Gymnasialzeit zu diskutieren. Das greift zu kurz.

Deutlich wird aber auch, dass hinter der Diskussion viele unterschiedliche Interessen stecken. Kultusminister Stoch hat dies sehr deutlich gemacht, als er vor einigen Monaten das neunjährige Gymnasium zum „natürlichen Feind“ der Gemeinschaftsschule erklärte – der von Grün-Rot neu eingeführten Schulart, die alle Abschlüsse bis hin zum Abitur nach neun Jahren ermöglicht.

Weil die Grundschulempfehlung nicht mehr verbindlich ist und Eltern bei der Wahl der weiterführenden Schule das letzte Wort haben, ist das neunjährige Gymnasium auch Konkurrent der Realschule und der beruflichen Gymnasien, die Schülern neun Jahre bis zum Abitur lassen.

Die Politik muss entscheiden, welche Angebote sie den Schülern machen will. Vor allem anderen sollte sie die Frage klären, warum es an manchen Gymnasien kaum Probleme mit der Verkürzung gibt, an anderen hingegen die Schwierigkeiten bis heute nicht gelöst sind. Sie sollten den betroffenen Schulen die Mittel zur Verfügung stellen, die diese brauchen, um die Schüler zu fordern, aber nicht zu überfordern. Aktionismus ist wenig hilfreich.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: