Thomas Bräuner Foto: factum/Bach/factum / Jürgen Bach

Der Kommandant der Feuerwehr Korntal-Münchingen, Thomas Bräuner, gibt nach 13 Jahren sein Amt ab. Sein Chef ist verwundert. Der Interims-Nachfolger kann sich vorstellen auch länger zu bleiben.

Korntal-Münchingen - Die Entscheidung kam für viele wie aus heiterem Himmel: Thomas Bräuner ist von Juli an nicht mehr länger der Kommandant der Feuerwehr Korntal-Münchingen. Er habe per E-Mail um seine Entlassung aus persönlichen Gründen gebeten, berichtet der Bürgermeister am Ende der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Bräuner selbst äußert sich nicht. „Für uns kam der Antrag überraschend“, sagt Joachim Wolf (parteilos). Der Austritt sei demnach einem Wegzug geschuldet. Bis zur Neuwahl bei der nächsten Hauptversammlung im Frühling übernimmt Jürgen Hieber als Kommandant. Der 57-Jährige war 13 Jahre lang Thomas Bräuners Stellvertreter. Auch für ihn war der Rückzug „relativ überraschend“, sagt Hieber.

Ebenso selbstverständlich ist es nun für ihn, vorerst Bräuners Amt zu stemmen – zumal er sich 2007 darum beworben hatte, dem Konkurrenten Bräuner aber unterlag. Der Vorgänger Wolfgang Würth hatte damals den Posten aus Altersgründen aufgegeben.

„Das ist jetzt ein kurzer Einschnitt. Ich habe ein gutes Team hinter mir. Wir werden das schaffen“, sagt Jürgen Hieber mit Blick auf die vielen Verwaltungsaufgaben, die ein Kommandant heute zu bewältigen hat. „Ich bin Handwerker, kein Verwaltungsmann“, sagt Jürgen Hieber – anders als Bräuner: Der Verkehrsingenieur mit Erfahrung im Haushaltsrecht sei „der richtige Mann am Platz“ gewesen.

„Verlust“ für die Feuerwehr

Den Weggang seines Kameraden bezeichnet Hieber als einen „Verlust“ für die Feuerwehr. „Die Arbeit, die er geleistet hat, war enorm. Er hat das toll gemacht, daran gibt es nichts zu zweifeln“, so Hieber. Er rechne Bräuner auch sein Engagement für die Öffentlichkeitsarbeit, um neue Mitglieder zu gewinnen, hoch an. „Er hat tatkräftig unterstützt und die Mittel organisiert.“

Nun steht für Hieber im Vordergrund das zu beenden, was Bräuner angefangen hat. Etwa neue Fahrzeuge zu beschaffen und den Bedarfsplan der Feuerwehr fortzuschreiben. „In den beiden Abteilungen selbst funktioniert alles gut“, sagt Hieber.

Der 57-Jährige schließt nicht aus, den Posten des Kommandanten bis zum offiziellen Ende 2022 zu bekleiden. „Sofern ihn kein anderer haben will“, sagt Jürgen Hieber und lacht. Gleichwohl bringe die Funktion einen „immensen zeitlichen Aufwand“ mit sich. Andere Kommunen hätten die Verwaltungsaufgaben hauptamtlich in Voll- oder Teilzeit vergeben, damit die Feuerwehr entlastet wird. Bei der Stadt Korntal-Münchingen will Hieber damit zwar nicht mit der Tür ins Haus fallen – „Gedanken macht man sich aber schon. Das ist ein Faktor.“

Erinnerung an Unwetter vor zehn Jahren

Vermutlich wie kein anderer Feuerwehrkommandant wird Thomas Bräuner mit Einsätzen bei Starkregen in Erinnerung bleiben. Als 2009 ein Unwetter vor allem über den Ortsteil Korntal niederging, sah alles zunächst nach einem heftigen, gleichwohl gewöhnlichen Unwetter aus. Die folgenden Stunden aber nahmen eine bis dato nie da gewesene Dimension an.

Mehr als 400 Einsätze verzeichneten die Feuerwehren an diesem Wochenende kreisweit, knapp die Hälfte davon allein in Korntal-Münchingen. Die Einsatzkräfte waren bis in den nächsten Tag gefordert. Ein Feuerwehrmann starb durch einen Stromschlag, die Sachschäden gingen in die Millionen. Neu war die Dimension, neu war aber zumindest in Korntal auch, dass sich eine Gewitterzelle so massiv auf vergleichsweiser kleiner Fläche entlud. Die umliegenden Kommunen mussten sich erstmals mit einem Wetterereignis befassen, das dann ein Jahr später vor allem Ditzingen traf. Inzwischen ist der Hochwasserschutz landesweit ein Thema. Mit dem Unwetter blieb die Korntal-Münchinger Feuerwehr lange auch überörtlich im Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Werben um Wertschätzung für die Wehr

Thomas Bräuner selbst arbeitete indes am Bewusstsein für die Wehr in der eigenen Stadt: Bald nach seiner Amtsübernahme vor 13 Jahren hatte er sich für eine Neubewertung der Gefahrenlage im Ort stark gemacht – um dem gewachsenen Gewerbestandort, der Verkehrszunahme auf der Autobahn und der wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden. Nach dem Unwetter blieb das Werben um Wertschätzung für die Wehr eines seiner Hauptanliegen. Dabei bezog er alle ein – Verwaltung, Gemeinderat, Bürger. Denn eines einte den Korntal-Münchinger Kommandanten mit jenen Chefs der umliegenden Wehren: die Notwendigkeit, beständig um Nachwuchskräfte zu werben.

Die hätten besonders in Korntal gefehlt, blickt der Bürgermeister Joachim Wolf zurück. Doch sie zu gewinnen, sei eine große Herausforderung gewesen. Deshalb hatten Stadt und Feuerwehr vor Jahren gemeinsam ein „gutes Konzept“ erarbeitet, das fruchtete. Bräuner habe stets seinen Mann gestanden, so Wolf, und sich trotz schwieriger Haushaltslage immer mit Nachdruck für die Belange der Wehr eingesetzt. „Er verlangte von uns allen viel ab.“ Das sei anstrengend gewesen, freilich, „aber im Sinne der Feuerwehr absolut richtig“, sagt Wolf, der Bräuners „sehr fachlich fundierte, konsequente und sorgfältige Arbeitsweise“ geschätzt habe. „Es wird schwer, ihn zu ersetzen.“

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