Bei der Ludwigsburger Feuerwehr sorgen mehrere ungewöhnliche Fälle für Aufsehen Foto: dpa

Die Beteiligten geben sich wortkarg. Nur in knappen Sätzen bestätigten die Stadt und die Ludwigsburger Feuerwehr, dass der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung über die Abberufung eines Kommandanten der entscheiden sollte. Dieser kam jedoch der Entscheidung zuvor und legte von sich aus sein Amt nieder.

Ludwigsburg - Die Beteiligten geben sich wortkarg. Nur in knappen Sätzen bestätigten die Stadt und die Ludwigsburger Feuerwehr, dass der Gemeinderat am gestrigen Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung über die Abberufung eines Kommandanten der freiwilligen Feuerwehr entscheiden sollte. Dieser ungewöhnliche Vorgang wurde jedoch obsolet: Der Feuerwehrkommandant legte kurz davor von sich aus sein Amt nieder und reagierte damit offenbar auf den politischen Druck. Der Kreisbrandmeister Andy Dorroch, der für alle Wehren im Landkreis zuständig ist, weiß von keinem ähnlichen Fall – in Ludwigsburg spricht man von einer „unüblichen“ Situation. Auch die anderen Probleme, mit denen sich die Ludwigsburger Kameraden derzeit beschäftigen müssen, sind alles andere als üblich.

Zu den Hintergründen für die geplante Abberufung des Kommandanten hält sich die Stadtverwaltung als Dienstherr der Feuerwehr bedeckt. Zu laufenden Verfahren, die Personen betreffen, nehme die Verwaltung keine Stellung, heißt es. Unter anderem hänge dieser Schritt aber damit zusammen, dass wegen personeller Auseinandersetzungen die Funktionsfähigkeit der entsprechenden Abteilung nicht mehr gewährleistet sei, sagt der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried.

Die bis dato recht leistungsstarke Mannschaft habe jüngst immer wieder von anderen Abteilungen vertreten werden müssen, berichtet Seigfried. Letztlich sei das Leistungstief auf die Führungsperson zurückzuführen gewesen.Man gehe davon aus, dass die Abteilung nun wieder zu alter Form zurückfinden könne. Übergangsweise werde der bisherige Stellvertreter die Leitung übernehmen, so Bürgermeister Seigfried.

Neben dieser Personalie haben in den vergangenen Monaten noch zwei andere Probleme die Ludwigsburger Feuerwehr auf Trab gehalten. Zum einen hatte man 2013 und 2014 mit schwarzen Schafen in den eigenen Reihen zu kämpfen: Drei damalige Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr hatten in etwa 250 Fällen absichtlich Fehlalarme ausgelöst und sich offenbar an dem Kick der eigenen Einsätze berauscht. Über die Motive könne man letztlich nur spekulieren, so der Kommentar der Stadt.

Alle drei mutmaßlichen Täter waren um die 20 Jahre alt und erst seit etwa zwei Jahren bei der Feuerwehr. Zwei von ihnen haben die Taten inzwischen eingeräumt, wie Susanne Jenne, Sprecherin der Stadt Ludwigsburg, mitteilt. Der dritte habe sich noch nicht dazu geäußert, deshalb dauerten die Ermittlungen noch an. Wer letztlich für den Schaden von rund 100 000 Euro aufkommt, der durch die Fehlalarme entstanden ist, sei noch unklar. Dies werde im Laufe des Verfahrens geprüft.

Ebenfalls Aufruhr verursacht hat eine anonyme Anzeige gegen Andreas Thoß, den Gesamtkommandanten der Ludwigsburger Feuerwehr. In dieser war dem obersten Chef der Kameraden unterlassene Hilfeleistung bei einem Einsatz vorgeworfen worden. Allerdings habe die Staatsanwaltschaft das Verfahren innerhalb kürzester Zeit eingestellt, berichtet Susanne Jenne. Denn es habe keinen Hinweis auf ein derartiges Vergehen gegeben. Damit sei die Staatsanwaltschaft zum gleichen Ergebnis gekommen wie die Stadtverwaltung der Barockstadt, die zuvor eine interne Prüfung vorgenommen habe.

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