Voller Zuversicht: Eric Frenzel, Bundestrainer der Kombinierer. Foto: IMAGO/Ulrich Wagner

Als Kombinierer wurde Eric Frenzel zur Legende, nun ist er Bundestrainer – und will sein Team bei den Olympischen Spielen im Val di Fiemme zu Medaillen führen.

Es ist nie leicht, Nachfolger einer Legende zu werden. Allerdings hilft es, wenn man selbst eine ist. Wie Eric Frenzel (37).

 

Der Mann aus dem Erzgebirge ist einer der erfolgreichsten Kombinierer der Geschichte. Und er hatte einen noch erfolgreicheren Lehrmeister. Unter der Ägide von Hermann Weinbuch, der als Aktiver selbst dreimal WM-Gold geholt hatte, gewann das deutsche Team bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften 57 (!) Medaillen. Kurz bevor der Bundestrainer 2023, nach einer 27-jährigen Amtszeit, zurück in die Nachwuchsarbeit wechselte, brachte er als Nachfolger den Athleten ins Spiel, zu dem er die innigste Verbindung hatte. „Eric Frenzel wäre ein geeigneter Bundestrainer, weil er über viel Erfahrung, Wissen und soziale Kompetenz verfügt“, sagte Hermann Weinbuch, „er würde den Job gut machen.“

Nun, drei Jahre später, lässt sich sagen: Frenzel macht einen guten Job. „Wir als Skiverband“, erklärte DSV-Sportdirektor Horst Hüttel vor den Olympischen Spielen, „hätten es nicht besser treffen können.“

Eric Frenzel: Olympia-Premiere als Bundestrainer

Dieser Satz ist ein bemerkenswerter Vertrauensbeweis – denn glänzende Ergebnisse muss der junge Bundestrainer ja erst noch liefern. In seiner ersten Saison blieb das deutsche Team 2023/24 ohne Weltcup-Sieg, bei der WM 2025 gab es neben zweimal Einzel-Bronze für Vinzenz Geiger immerhin Staffel-Gold. Nun folgt Frenzels Olympia-Premiere als Bundestrainer. „Wir haben hohe Ansprüche an uns selbst“, sagt der Coach von Vinzenz Geiger, Julian Schmid und Johannes Rydzek, für die an diesem Mittwoch das erste Einzel ansteht (10 Uhr Springen von der Normalschanze/13.45 Uhr Lauf), „um in den drei Wettbewerben dreimal Gold als Ziel auszugeben, ist die Konkurrenz zu stark und unsere Demut zu groß. Superzufrieden wäre ich, wenn wir in jedem Rennen eine Medaille holen.“ Wie das geht, weiß niemand besser als die deutschen Kombinierer.

Staffel-Gold 2018 in Pyeongchang: Vinzenz Geiger, Fabian Rießle, Eric Frenzel und Johannes Rydzek (v. li.). Foto: Imago/Sven Simon

Geiger (2022) und Rydzek (2018) sind bereits Einzel-Olympiasieger, gemeinsam mit Frenzel gewannen sie zudem vor acht Jahren Staffel-Gold in Pyeongchang. Insgesamt kommt der heutige Bundestrainer auf sieben Olympia- (3x Gold/2x Silber/2x Bronze) und 18 WM-Medaillen (7/8/3), außerdem gewann er fünfmal den Gesamtweltcup. Er kennt aber auch die andere Seite der Medaille.

Eric Frenzel und die Corona-Quarantäne

Nach der Landung in China gab es bei Eric Frenzel vor den Winterspielen 2022 einen positiven Coronatest, er musste elf Tage in Zhangjiakou in einem Quarantäne-Zimmer verbringen – unter „unzumutbaren Bedingungen“, wie der Deutsche Ski-Verband kritisierte. Als er endlich raus durfte aus der Isolation, gewann er mit der Staffel Silber. „Ich denke selten zurück an Peking, diese Zeit ist für mich abgehakt, auch weil es zum Abschluss meiner olympischen Karriere ja doch noch eine Medaille gegeben hat“, sagt Eric Frenzel, der sich voll auf seine Aufgaben als Bundestrainer fokussiert: „Ich kann weiter meine Leidenschaft leben, wenn auch in ganz anderer Rolle – für mich hat sich alles um 180 Grad gedreht.“

Statt nur für sich selbst ist Eric Frenzel, der Vater von drei Kindern, nun für ein ganzes Team verantwortlich: Athleten, Trainer, Techniker, Betreuer – die „organisatorische Herausforderung ist groß“. Dabei hat der Chefcoach den Vorteil, genau zu wissen, wie seine Sportler ticken. „Ich kann mich in sie reindenken“, sagt er, „und dies nutzen, um als Trainer auf sie einzuwirken.“ Das kommt an. „Er hat enorm viel Erfahrung, kann Dinge richtig einordnen“, sagt Johannes Rydzek, der früher nicht nur Kollege, sondern auch einer größten Konkurrenten von Eric Frenzel war, „er hat ein sehr gutes Gespür für uns Athleten und gibt uns sehr viel Input.“ Auch für die Olympia-Wettbewerbe – in denen es um mehr geht als um Medaillen.

Die Kombiniererinnen wurden vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nicht zugelassen, die Zukunft der gesamten Sportart ist gefährdet. 2030 in Frankreich starten entweder Frauen und Männer – oder niemand mehr. Um die Entscheider im IOC zu überzeugen, müssen die Kombinierer im Val di Fiemme möglichst spannende Wettkämpfe liefern, im besten Fall dramatische. „Es ist nicht leicht, wenn man wie wir vor vier Jahren an den Pranger gestellt wurde“, sagt Eric Frenzel, „jetzt können wir nur auf die Anerkennung des IOC hoffen.“ Auch dabei kann es helfen, eine Legende zu sein.