Auch wenn sich Badegäste vor allem wohl fühlen sollen: Der Betrieb eines Badeparks ist in Corona-Zeiten kein Kinderspiel. Foto: Brigitte Hess

Neue Zeitfenster und reduzierte Eintrittspreise für Sauna und Freibad – nach der Übernahme müht sich die städtische Holding, wieder mehr Besucher in den Badepark zu locken. Helfen soll bis zum Jahresende nun ausgerechnet die Interspa.

Fellbach - Auf die massive Kritik von Badegästen am neuen Buchungssystem haben die neuen Herren des Fellbacher Badeparks F3 schnell reagiert: Das missglückte Konzept, sich weit im Vorfeld eine ganztägige Badezeit reservieren zu können, wird gestoppt.

Das neue Tarifsystem sieht Ermäßigungen nicht nur für Schwimmer, sondern auch für Saunagäste vor

Vom kommenden Montag an gelten wieder drei Zeitfenster für den Besuch des Freizeitbads: Von 7.30 bis 9 Uhr kommen Frühschwimmer zum Zug, von 9 bis 13.45 Uhr können die Vormittagsgäste durchs Becken kraulen, von 14.15 bis 19 Uhr darf das Nachmittagspublikum ins Bad. Neben der Änderung der Buchungsblöcke – vor gerade mal zwei Wochen quasi als letzte Amtshandlung der bisherigen Betreiberfirma G1 eingeführt – werden im Fellbacher Badepark auch reduzierte Eintrittspreise gelten. Das neue Tarifsystem sieht Ermäßigungen nicht nur für Schwimmer, sondern auch für Saunagäste vor – schließlich kann die zahlende Kundschaft das Angebot in der Corona-Krise nicht wie gewohnt nutzen. Der als Interims-Betriebsleiter von dem Stuttgarter Badepark-Unternehmen Interspa ausgeliehene Markus Dechand erwartet sich durch die Änderungen „eine bessere Auslastung und eine klare Struktur bei Preisen, Öffnungszeiten und Zugangsmodalitäten – auch unter den derzeit geltenden Hygienerichtlinien“. Frühschwimmer zahlen künftig 2.50 Euro Eintritt, in den beiden Blöcken am Vormittag und am Nachmittag sind 3,50 Euro fällig – also dreißig Cent weniger als bisher. Für Kinder bis fünf Jahre wird im Freibad kein Eintritt verlangt. Auch die Saunapreise hat das F3 nach der Über-nahme nach unten korrigiert. Es gibt zwei jeweils sechsstündige Zeitfenster (9 bis 15 und 16 bis 22 Uhr). Wer sie ganz ausnützt will, zahlt 21 Euro. Ein vierstündiger Besuch der Wellness-Landschaft schlägt mit 16 Euro zu Buche, die zweistündige Schwitzkur ist für 14 Euro zu haben.

Künftig ist eine Reservierung nur noch maximal drei Tage im Voraus möglich

Auch bei den Reservierungen, in den vergangenen Wochen ein Ärgernis für Betreiber wie Besucher, gibt es Neuerungen. Denn gezeigt hat sich seit der Einführung des nicht ausreichend durchdachten Buchungskonzepts, dass die Becken und Liegewiesen oft leer blieben. Obwohl die wegen der Corona-Richtlinien auf 1300 Besucher festgelegte Kapazitätsgrenze bei der Buchung im Internet oft schon Tage im Voraus erreicht war, kamen in Wirklichkeit nur wenige hundert Badegäste.

„Der Grund war, dass sich viele Kunden schon mal vorsorglich für mehrere Tage hintereinander angemeldet haben – und sich dann doch gegen einen Badbesuch entschieden“, schildert der neue Bäderchef das für nicht zum Zug kommende Gäste ärgerliche Problem. Künftig ist eine Reservierung nur noch maximal drei Tage im Voraus möglich statt bislang zwei Wochen. Bestehende Reservierungen bleiben allerdings erhalten. Und: Spätestens Ende August will die Interspa die F3-Software so umgestellt haben, dass der Badegast bei der Reservierung seinen Eintritt auch gleich bezahlen muss. „Anders bekommt man das nicht in den Griff“, weiß der Interspa-Geschäftsführer Volker Kurz. Nur zwei kleinere Ausnahmen soll es bei der Online-Buchung geben: Für den Frühschwimmer-Zeitblock ist wegen der überschaubaren Besucherzahlen keine vorherige Anmeldung nötig. Und von den maximal 1300 pro Zeitfenster zu vergebenden Plätzen sollen exakt 100 aus dem Online-System herausgenommen werden – um auch Menschen eine Chance auf einen Badbesuch zu geben, die sich mit der Buchung und Bezahlung übers Internet technisch schwer tun.

Mit in der Führungsspitze ist Gerhard Ammon, Geschäftsführer der Stadtwerke

Der kurze Draht zum Fachpersonal des 650 Mitarbeiter zählenden Badepark-Betreibers, der bundesweit insgesamt sechs Wonnemar-Bäder und ein Wellness-Hotel unter seinen Fittichen hat, gab auch den Ausschlag für einen kurzfristig aus-gehandelten Vertrag, mit dem sich die städtische Holding das Know-How der Unternehmensgruppe sichert. Bis zum Jahresende ist per Pauschalhonorar nicht nur Markus Dechand als Betriebsleiter vor Ort, auch IT-Spezialisten, Marketingleute und Gastro-Experten sollen helfen, dass sich die im Badbetrieb unerfahrene Rathaus-Tochter mit dem F3 keine blutige Nase holt. „Ein Bad dieser Größenordnung zu betreiben, erfordert sehr viel Erfahrung und Fachwissen. Das geht nicht so einfach nebenher“, sagt Johannes Berner, als Finanzbürgermeister auch Chef der städtischen Holding. Mit in der Führungsspitze ist Gerhard Ammon, Geschäftsführer der Stadtwerke. Er betonte am Freitag, dass der Badepark für die Stadt nicht zwingend zu einem finanziellen Kraftakt werden muss: „Ein wirtschaftlicher Betrieb des Bads ist machbar“, legte sich der Stadtwerke-Chef fest. Ausdrücklich betonte Ammon außerdem, dass es im F3 keinen Sanierungsstau gebe. „Das Bad ist attraktiv und beliebt, wir hatten statt der kalkulierten 380 000 Besucher im vergangenen Jahr sogar 550 000 Badegäste. Und diese Erfolgsgeschichte wird nun fortgeschrieben“, sagte er.

Pflege, Wartung und Finanzen: Was sich im F3-Bad alles tut

Dass sich die Stadt Fellbach beim Betrieb des F3-Bads externe Hilfe ins Haus holt, soll laut Johannes Berner keine Dauerlösung sein. „Über die Holding ist die Stadt nun Badbetreiber und wir werden es auch bleiben“, zerstreute der Finanzbürgermeister am Freitag dieSpekulation, dass die Interspa möglicherweise als Betreiber einsteigt – und auch über den fünfmonatigen Beratervertrag hinaus beim Fellbacher Badepark noch im Sattel bleiben könnte.

Dass ausgerechnet die Interspa nun als Ratgeber aushilft, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn die Stuttgarter Badepark-Spezialisten hatten das F3 ursprünglich nicht nur betreiben, sondern auch bauen wollen – was Fellbach eine 40-Millionen-Euro-Investition erspart hätte. Interspa-Chef Volker Kurz blickte am Freitag selbst auf den geplatzten Deal zurück – und verriet, dass 2008 die BayernLB wegen einer gekippten Kreditzusage die Schuld am Scheitern hatte.

Was die Übernahme des Badeparks unterm Strich kosten wird, war am Freitag nicht zu erfahren – frühestens im Oktober wird sich bei den Zahlen der Nebel lichten. Entscheidend ist laut Johannes Berner, wie der Badepark bespielt werden kann, wenn die Freibadsaison endet. Der Frage nach der Steuerschuld in Höhe von 400 000 Euro wollte Berner nicht zu viel Gewicht geben: „Die Auswirkungen der Corona-Krise sind wirtschaftlich bedeutend schlimmer“, sagte er.

Bei der Pflege des Badeparks richtete die bisherige Betreiberfirma G1 offenbar mehr Schaden an als bisher bekannt war. So wurden teure Mosaikfliesen im Badbereich mit dem scharfen Strahl des Hochdruck-reinigers behandelt, bei der Badchemie und Desinfektion allzu aggressive Mittel verwendet. Die Schließzeit hat die Stadt Fellbach genutzt, Fugenmaterial zu erneuern und LED-Leuchten am Sportbecken zu tauschen – für gut 100 000 Euro.

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