Seinerzeit noch ein Schmuckstück: Das Fellbacher Freizeitbad F3 bei der Eröffnung am 15. September 2013.Foto: FZ-Archiv Gerhard Brien Foto: /Gerhard Brien

Einstimmig haben Fellbachs Stadträte bei einer Sondersitzung die Übernahme des Freizeitbads F3 beschlossen – obwohl es die G1-Gruppe bei Pflege und Wartung nicht so genau nahm. Auch Rechnungen der Stadtwerke und Steuerschulden sind nicht bezahlt.

Fellbach - Mit der Übernahme des Badeparks F3 droht der Stadt Fellbach auch eine finanzielle Durststrecke. Denn mit einem neuen Aufdruck auf den Eintrittskarten und der Eingliederung von Bademeistern und Kassenpersonal in das kommunale Gehaltstableau ist es bei dem geplanten Betreiberwechsel nicht getan. Hinter den Kulissen geht es auch um einen mindestens sechsstelligen Betrag, den die Freizeitbad-Macher offenbar nach wie vor schuldig geblieben sind.

Die Pacht wurde stets pünktlich bezahlt

Zwar hat die im österreichischen Gmünd gemeldete Betreibergesellschaft G1 die Pacht für das 2013 eröffnete Bad laut dem Fellbacher Finanzdezernenten Johannes Berner stets pünktlich bezahlt. Auch beim Mietzins für die Nutzung der Parkplätze gab es keinen Grund zur Klage. Bei der Grundsteuer hingegen schwelt offenbar seit Jahren ein Streit um Geld. Auch weil es dauerte, bis der Messbescheid des Finanzamts auf dem Tisch lag, reichen die Rückstände des Badeparks bis ins Jahr 2014.

In dieser Zeit hat sich offenbar ein Betrag von knapp einer halben Million Euro angehäuft, mit dem die G1-Gruppe bei der städtischen Holding in der Kreide steht. Die Stadt hat dem durch die Corona-Krise in eine finanzielle Schieflage geratenen Betreiber das Geld nun gestundet – und dürfte im Falle einer Insolvenz bei der Steuerschuld in die Röhre sehen.

Der Einsatz der Badepark-Betreiber für die Pflege ließ offenbar deutlich zu wünschen übrig

Auch die vertraglich fixierte Rücklage für Investitionen in das Freizeitbad verursacht bei den Übernahmegesprächen offenbar Verrechnungsprobleme. Vereinbart war, dass jährlich ein gewisser Betrag angespart wird, mit dem die Attraktivität der Freizeiteinrichtung gesteigert werden sollte. Wie viel Geld auf der hohen Kante liegt, ist allerdings ebenso unklar wie die Frage nach dem konkreten Verwendungszweck. Zwar hat die Betreibergesellschaft in den vergangenen sieben Jahren durchaus auch Geld in den Badepark investiert. In Projekte wie den Spielleuchtturm beim Kinderbecken, die Aroma-Destillation in der Wellnesszone oder die LED-Leinwand im Erlebnisbereich ist ein Betrag von gut 850 000 Euro geflossen. Ideen wie die zusätzliche Rutsche im Erlebnisbereich oder auch die großzügige Erweiterung von Saunabereich und Schwimmbad-Gastro aber wurden nie verwirklicht.

Und: Der Einsatz der Badepark-Betreiber für die Pflege ließ offenbar deutlich zu wünschen übrig. „Wartung und Instandhaltung waren leider ein Dauerbrenner“, sagte der Fellbacher Finanzbürgermeister Johannes Berner bei der Sondersitzung des Gemeinderats zur Übernahme des Badeparks. In zahllosen Gesprächen und manchmal geradezu zermürbenden Verhandlungsrunden sei Besserung angemahnt worden, im vergangenen Herbst setzte die städtische Holding sogar eine externe Beraterfirma ein, um dem F3-Betreiber bei der Einhaltung der vertraglichen Pflichten auf die Finger zu schauen.

Ebenfalls in Planung war eine Marktanalyse über die Entwicklung in der Schwimmbad-Branche

Unterm Strich zeigen sich im Fellbacher Freizeitbad laut Johannes Berner und dem für die städtische Holding zuständigen Stadtwerke-Geschäftsführer Gerhard Ammon deutlich größere Abnutzungserscheinungen, als es nach einer Betriebszeit von sieben Jahren zu erwarten wäre. Schuld an den Schäden sei teilweise der „unsachgemäße Gebrauch durch die Betreibergesellschaft“. Allerdings hätten auch die deutlich über den Erwartungen liegenden Besucherzahlen und die für eine starke Beanspruchung „teilweise unglückliche Materialwahl“ in dem Bad ihre Spuren hinterlassen. Dass der Zahn der Zeit viel stärker als vorgesehen am Badepark nagt, hatte schon während der Corona-Schließzeit zu umfangreichen Sanierungsarbeiten geführt – die allerdings nicht vom Betreiber, sondern zum überwiegenden Teil von der städtischen Holding bezahlt wurden.

Ebenfalls in Planung war eine Marktanalyse über die Entwicklung in der Schwimmbad-Branche. Eine Auswertung sollte im Herbst auf dem Tisch liegen und zeigen, wie das F3 für Badegäste attraktiv bleiben kann. Nur wegen der Corona-Krise wurde die Beauftragung eines Fachbüros vorerst noch einmal abgeblasen.

Gabriele Zull nannte die Übernahme die einzig sinnvolle Lösung

Für die Übernahme wird die Stadt auch eine halbe Million aus dem Etat nehmen und in das Eigenkapital der Holding stecken. Gesucht wird für das F3 unter städtischer Regie nach einem Geschäftsführer, eine Rechnung der Stadtwerke über Wärme und Wasser im ersten Quartal 2020 hat der bisherige Betreiber noch nicht bezahlt. Oberbürgermeisterin Gabriele Zull verwahrte sich bei der Sondersitzung des Gemeinderats am Montag gegen die Mutmaßung, die Stadt sei bei den Verhandlungen mit dem Badbetreiber über den Tisch gezogen worden. „Die Konditionen sind aus meiner Sicht kein Anlass, sich entschuldigen oder verstecken zu müssen“, sagte sie.

Die unter ihrem Vorgänger Christoph Palm getroffene Entscheidung für Badbau und den privaten Betrieb wollte die Verwaltungschefin nicht bewerten. Zull nannte die Übernahme die einzig sinnvolle Lösung, um eine Insolvenz des bisherigen Betreibers zu vermeiden und das F3 im Interesse von Badegästen und Personal offen zu halten.

Während CDU und Grünen-Fraktion bei der Sondersitzung auf eine Stellungnahme verzichteten, merkte der FW/FD-Fraktionschef Ulrich Lenk an, ins Grübeln gekommen zu sein, ob die Auswahl des privaten Partners vor nicht mal zehn Jahren die richtige Entscheidung gewesen sei. „Mein Vertrauen in solche Modelle ist gegen Null gesunken, wenn Gewinne in die Tasche des Betreibers fließen, der Verlust aber nun auf die Stadt abgewälzt werden.“ Außerdem übte er Kritik an der Kontrollpflicht. „Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man bei der Stadt und der städtischen Holding die Einforderung städtischer Ansprüche nicht immer mit letzter Konsequenz betrieben hat“, sagte Ulrich Lenk.

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