Susanne Offenbach (mit Eberhard Stilz, Präsident des Staatsgerichtshofs). Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Fast 40 Jahre lang hat Susanne Offenbach Kolumnen für die Sonntag Aktuell verfasst, jetzt hat sie im Haus der Geschichte den Abschied von dieser Tätigkeit gefeiert. Als Moderatorin der „Zeitzeugen“-Reihe macht Offenbach jedoch weiter.

Stuttgart - Leidenschaft. Das Wort fällt mehrfach. „Was man gerne tut, tut man leicht“, sagt die Journalistin Susanne Offenbach. Und leicht scheint ihr auch der Abschied vom Schreiben für die Tageszeitung zu fallen.

Rund 150 Gäste haben sich an diesem Morgen im Foyer des Hauses der Geschichte eingefunden, um Offenbach Danke zu sagen. Dafür, dass sie „nie beleidigend war und anderen immer mit Respekt begegnet ist“, wie es die große Primaballerina Birgit Keil sagt. Dafür, dass sie authentisch geblieben ist, wie es der frühere Landesminister Christoph Palmer formuliert. Dafür, dass sie einfach gut schreiben kann, wie es Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller nennt.

Aber nun ist Schluss. Auch in Sonntag Aktuell, Deutschlands zweitgrößter Sonntagszeitung, der siebten Ausgabe unserer Zeitung. Gerade hier hat Offenbach in fast 40 Jahren Autorenschaft unverwechselbare Spuren hinterlassen. Unter den Kolumnisten von Sonntag Aktuell war sie mit Abstand am längsten aktiv. „Kolumnisten sind exotische Vögel außerhalb der Redaktionsvoliere“, sagt Wolfgang Molitor, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, der die Matinee moderiert. Er nennt diese Gattung von Autoren Kostbarkeiten. Eigensinnig. Eigenständig. Unabhängig. Manchmal eine süße Last. Susanne Offenbach war so eine Exotin. Von Lesern verehrt, ohne harten Widerspruch zu vermeiden. Streitlustig, weil kompetent. Harmonie sei ein Name für einen Gesangverein, sagt die Kolumnistin selber, zu mehr tauge er nicht.

Schwierigste Themen liegen auf der Straße

„Die schwierigsten Themen sind die, die auf der Straßen liegen“, behauptet Offenbach. Das Offensichtliche sei gerade nicht das Einfachste, so ihre Erfahrung. Deshalb brauche speziell der Kolumnist eine Spürnase, um eigene Themen zu finden, um das Angenehme aufzugreifen und trotzdem Widerhaken zu platzieren.

Eberhard Stilz, der Präsident des Staatsgerichtshofes und der Stiftung Weltethos, schafft es auf der großen Museumstreppe, diese Pole herauszuarbeiten, Offenbach im Gespräch dazu zu verführen, in ihre Werkstatt, ihr Nest blicken zu lassen. Ihre Kolumnen wurden zu Abitur-Prüfungsaufgaben, sie zierten Schulbuchseiten und tauchten in ihrer 170 Seiten starken Stasi-Akte auf.

„Es ist keine Kunst, schreiben zu können“, sagt Susanne Offenbach, „sondern mit dem Schreiben aufhören zu können.“ Sie sagt es ohne erkennbare Wehmut. Schließlich ist sie noch lange kein Museumsstück, wie ihr der Hausherr Thomas Schnabel versichert – und Susanne Offenbach gleich als Moderatorin weiterer „Zeitzeugen“-Veranstaltungen verpflichtet. Unter den Gästen: der Unternehmer Wolfram Freudenberg, Flughafenchef Georg Fundel, Ex-Bundesbankvorstand Rudolf Böhmler, Unternehmer Heinz Dürr, Ex-Staatsgalerie-Chef Christian von Holst, der frühere Regierungssprecher Matthias Kleinert, die Stuttgarter-Zeitung-Kolumnistin Sibylle Krause-Burger, Unternehmer Berthold Leibinger, Ex-Bosch-Chef Hermann Scholl, Architekt Werner Sobek, die Künstler Conny und Christa Winter.

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