Bissle verdreckt, aber eigentlich eine sehr schöne Farbe Foto: Decksmann

Egal ob er zum Zahnarzt, zur Vorsorgeuntersuchung oder mit dem Auto zum Tüv muss – StN-Kolumnist KNITZ überkommt stets ein unangenehmes Grummeln im Bauch.

Stuttgart - So ein Auto ist auch nur ein Mensch. Insofern braucht es einen nicht zu wundern, wenn es frühmorgens noch nicht so recht in die Gänge kommt. KNITZ sitzt die Nacht auch noch in den Knochen. Auto und Automobilist sind weit von ihrer Betriebstemperatur entfernt, als KNITZ auf die Hauptstraße einbiegt.

 

Irgendwie kommt der Wagen heute noch ein bissle schwerer vom Fleck als sonst. Ahnt das Auto, wohin die Fahrt geht? Oder hat sich die Anspannung des Chauffeurs auf den Wagen übertragen?

Der Prüfer soll den guten Willen erkennen

Ja, es stimmt, KNITZ leidet mit seinem Wagen. Egal, ob er zum Zahnarzt, zur Vorsorgeuntersuchung oder mit dem Auto zum Tüv muss, stets beschleicht ihn ein unangenehmes Bauchgefühl. Dabei ist der Wagen noch gut in Schuss. Aber das dachte KNITZ von sich auch, als er seinen Zahnarzt ansteuerte. Dann hat der doch was gefunden.

Beim Tüv, denkt sich KNITZ, fährt er mit gutem Beispiel voran: Er bucht den ersten Termin am Morgen und zahlt die Rechnung bereits bei der Reservierung. Der Prüfer soll den guten Willen erkennen.

Eigentlich will KNITZ den Wagen noch waschen und ihn aussaugen. Aber das ist über die Feiertage schlecht möglich. Den Prüfer scheint das nicht zu stören. Offenbar kennt der Mann sich nicht nur mit Maschinen, sondern auch mit Menschen aus. „So einen fahre ich auch“, sagt er zur Begrüßung. „Prima Wägelchen.“

Ein Rolltor trennen Fahrer und Wagen

KNITZ ist gern dabei, wenn der Prüfer den Wagen unter die Lupe nimmt, auch wenn es nix hilft. Aber dieses Mal geht es nicht. Er, KNITZ, dürfe leider die Halle nicht betreten, sagt der Prüfer, auch nicht mit Mundschutz, was natürlich Blödsinn sei. Wenn es ihm kalt ist, möge er sich in den kleinen Aufenthaltsraum setzen. Das sei erlaubt, auch wenn das kein Mensch verstehe.

KNITZ bleibt an dem gläsernen Rolltor vor der Halle stehen – vielleicht, um dem Wagen zu signalisieren: „Keine Sorge, ich bin bei dir.“ Obwohl der Prüfer eine gewisse Sympathie für den Wagen gezeigt hat, an der Gründlichkeit seiner Untersuchung ändert das nichts. Eine halbe Stunde dauert die Prozedur. Dann die erlösende Bewegung: Mit einem Schraubenzieher löst der Prüfer die alte Plakette vom Nummernschild und bäbbt die neue drauf. Alles bestens, sagt der Prüfer, als er mit dem Wagen aus der Halle rollt.

KNITZ würde den Prüfer gern umarmen

Man redet noch ein paar Takte über den Wagen. Das Modell sei sehr solide, sagt der Prüfer, nur der Auspuff eine Schwachstelle. Aber sonst sei bei Reparaturen nur mit Verschleißteilen zu rechnen. Am liebsten würde KNITZ den Mann umarmen und ihm das Du anbieten.

Die neue Plakette ist übrigens pink. Auf der Heimfahrt beschließt KNITZ, ein pinkfarbenes Hemd zu kaufen. Nicht nur sein Wagen, auch er kann die Farbe tragen.

Demnächst steht eine Vorsorgeuntersuchung an. Dann muss der Wagen draußen warten. Wenn der Befund ähnlich ausfiele, wäre KNITZ das nicht unrecht.