Für die Hausarbeit nicht geschaffen: Psychologe Siegmund Freud Foto: dpa

Beim Schreiben dieses Textes hat sich StN-Autor Tom Hörner an den Arbeitsweisen des Philosophen Sören Kierkegaard und des Schriftstellers William Faulkner orientiert. Ob es was gebracht hat?

Stuttgart - Ich bin mir nicht sicher, ob Sie es diesem Text anmerken werden: Ich sitze im ­Regenmantel unter einem Regenschirm in einem Raum, dessen Türknauf ich abmontiert habe, so dass niemand hereinkommen und mich bei einem kreativen Prozess stören kann, der gemeinhin als Schreiben bezeichnet wird.

Diese eigenwillige Art der Textproduktion ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Den Tick mit dem Regenschirm habe ich von dem Philosophen Sören Kierkegaard geklaut, der bei Wind und Wetter spazieren ging, dabei große Gedanken wälzte und sich hinterher, ohne sich seiner ­Regenklamotten zu entledigen, an den Schreibtisch setzte. Der Türknauftrick stammt von dem Schriftsteller William Faulkner, der es nicht leiden konnte, wenn jemand in sein Arbeitszimmer platzt.

Kierkegaard und Faulkner sind nur zwei von 161 großen Köpfen, deren Arbeitsmethoden und Marotten der Autor Mason Currey in „Daily Rituals: How Artists Work“ beschreibt. Leider sind ­meine Englischkenntnisse nur rudimentär, so dass ich mir nicht sicher bin, ob ich alles richtig verstanden habe. Aber im Fall von Mark Twain scheint mir die Sache schlüssig: Anders als wir Kleingeister der Gegenwart rief Twain während des Schreibens nicht ständig seine E-Mails ab. Beethoven soll beim Komponieren nie Radio gehört haben, nicht mal SWR 2.

Natürlich, es gibt keine Garantie dafür, dass der Geist von uns schlichten Gemütern beflügelt wird, nur weil wir die Arbeitsmethoden der Genies kopieren. Aber man kann es ja mal versuchen.

Überhaupt nicht aus der Welt scheint mir die Methode Freud: Der Begründer der Psychoanalyse ließ sich von seiner Frau morgens Anzug, Hemd, Taschen­tücher etc. herrichten, damit sein Hirn nicht von lästigen Alltagsdingen behelligt wurde. Ich kenne Herrschaften, bei denen bis ins hohe Alter ähnlich verfahren ­wurde – ohne dass sie jemals etwas Weltbewegendes hervorgebracht hätten. Vermutlich wurde eine Kleinigkeit versäumt: Frau Freud drückte ihrem Sigmund auch die Zahnpasta auf die Bürste.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: