In Partylaune: Das Team von Borussia Mönchengladbach mischt im Titelrennen mit. Foto: dpa

Das Rennen um den Titel in der Fußball-Bundesliga mutiert dank Borussia Mönchengladbach zum Dreikampf. Unser Kolumnist aber warnt die Gladbacher: Eure Tarnung ist aufgeflogen!

Stuttgart - Der Begriff „grüne Hölle“ ist nicht der Werbeslogan für das Blödbunt-Fernsehen aus dem Dschungelcamp. Vielmehr entstammt er aus dem Motorsport und beschreibt die Nordschleife, ein heimtückisches Stück Asphalt mit vielen Unebenheiten, fiesen Kurven und Teil des Nürburgrings, der sich idyllisch durch die Eifel schlängelt. Auf dieser Rennstrecke testen die Automobilhersteller ihre Fahrzeuge bis zum Erbrechen und versuchen, den Rundenrekord zu knacken. Ein Prestigeduell, das meistens Porsche gewinnt. Porsche ist auf der Nordschleife so was wie Bayern München im Fußball.

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Kein Wunder, dass jetzt auch die Bundesliga ihre grüne Hölle hat. Verantwortlich dafür ist Dieter Hecking, Trainer von Borussia Mönchengladbach. Er schickt in Grün gekleidete Spieler auf den grünen Rasen, die mit dem Ball umzugehen wissen. Sie sind so grün, dass sie vom Gegner auf dem Rasen kaum auszumachen sind. Echte Tarnkappen, die sich ebenso elegant wie heimlich den Erfolg erschleichen. Wahrscheinlich ist deshalb allen entgangen, dass sich womöglich nicht nur Borussia Dortmund und die Bayern um den Titel streiten. „Ein Dreikampf“, jubelten die Reporter am Wochenende, was einem Aufschrei der Erleichterung gleichkommt: Endlich passiert in dieser Liga mal wirklich was Interessantes. Seit Wochen werden Abseitsentscheidungen im Millimeterbereich und abstruse Handspiele zur staatstragenden Sache erklärt – aus Mangel an sportlicher Attraktivität. Aber jetzt kommen die Tarnkappen.

Erinnerungen an glorreiche Zeiten

Und in Gladbach kramen sie nach den alten Poesiealben. Verdammt, ist das lang her, seit 1964 Hennes Weisweiler auf Empfehlung von Sepp Herberger das Traineramt beim Zweitligisten Gladbach übernahm. Er setzte auf junge Spieler. Im Sturm mit Jupp Heynckes und Herbert Laumen war Bernd Rupp mit 22 Jahren der Älteste. Dirigiert von Günter Netzer (20) schossen sie 87 (von 92) Tore. Die Geburt der „Fohlenelf“, die über ein Jahrzehnt, immer wieder aufgefrischt mit jungen Talenten, Deutschland und Europa begeisterte.

Vergleiche zu heute sind eigentlich nicht zulässig, aber dieser Hecking ist eine ähnliche Respektsperson wie der Gladbacher Urvater. Für heutige Verhältnisse erfrischend wortkarg, im Vergleich zu Weisweiler aber eher eine Plaudertasche. Und wie seine Tarnkappen, so lief auch Heckings Trainerkarriere bisher eher unterm Radar. Dabei hat er, stets unter schwierigen Bedingungen, Alemannia Aachen in der Bundesliga gehalten, Hannover 96 und den 1. FC Nürnberg vor dem Abstieg gerettet und in sichere Regionen geführt. Den VfL Wolfsburg lotste er von Platz 15 über die Europa League bis in die Champions League, er gewann den DFB-Pokal und den Supercup.

Hecking hat zwei glückliche Händchen

Und jetzt in Gladbach kann der Junge aus Castrop-Rauxel agieren und nicht mehr nur auf widrige Umstände reagieren. Hecking tut das mit Bedacht. Am Samstag auf Schalke taten sich die Tarnkappen lange schwer. Aber nach dem Platzverweis des Schalker Torhüters Nübel, stellten sich die Gladbacher den Gegner zurecht, wie ein Boxer seinen angeschlagenen Kontrahenten. Als hätten sie die Ruhe des erfahrenen Trainers verinnerlicht, schnürten sie Schalke 04 von Minute zu Minute mehr ein. Und Hecking wechselte in Florian Neuhaus und Christoph Kramer die zwei Spieler ein, die die Tore zum 2:0-Erfolg erzielten.

„Sie hatten ein glückliches Händchen“, sagte der Reporter zum Trainer. Hecking antwortete gut gelaunt: „Ich habe sogar zwei Händchen.“ Er weiß, dass er die in den nächsten Wochen auch brauchen wird. Denn am vergangenen Samstag, so viel ist sicher, ist die Tarnung aufgeflogen.

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