Was hält Mia Gray vom Valentinstag? Foto: www.7aktuell.de | Robert Dyhringer

Valentinstag mit Peitsche, der Baumarkt als Sexshop: Eine kleine Umfrage zum Tag der Liebenden und zu „50 Shades of Grey“, zu den Grautönen des Lebens.

Stuttgart - Valentinstag mit Peitsche, der Baumarkt als Sexshop: Eine kleine Umfrage zum Tag der Liebenden und zu „50 Shades of Grey“, zu den Grautönen des Lebens.

Blumen waren gestern. Jetzt werden Pferdegerten und Kabelbinder zum Valentinstag ausgepackt. Der 14. Februar soll zum Tag der gefesselten Liebe werden.

Erst hat der Heilige Vater erklärt, ein paar Schläge würden Kindern nicht schaden, sofern der Papa in Würde kloppt. Und dann bekennen sich immer mehr Mamas dazu: Ja, wir wollen’s doch auch! Aus dem Valentinstag ist der Nietzsche-Tag geworden: Gehst du zum Weib’, vergiss die Peitsche nicht! Und der Baumarkt wird zum Sexshop.

Das Beste am Hype um den extra zum Valentinstag gestarteten Hollywood-Blockbuster „50 Shades of Grey“ ist, dass wir alle mitreden können, selbst wenn wir nicht im Traum daran denken, uns diese Sadomaso-Schmonzette auch noch anzuschauen.

Denn überall liest man so viel über die weichgespülte Verfilmung des Bestsellers, dass wir uns bestens auskennen mit all dem Oh, oh, oh, oh und: ooooooooh!

Und dann heißt es noch: Gerade Stuttgart fahre voll darauf ab – denn die Stadt sei eine „Sadomaso-Hochburg“. Lady Arachne, die Leiterin eines von vier großen SM-Studios in Stuttgart, hat einem Kollegen mal anvertraut: „Pro Tag kommen 18 bis 20 Gäste in die vier Studios.“ Mal sehen, wie viele pro Tag in den Kinofilm gehen.

Die zahlenden Domina-Kunden sind männlich. Doch dass auch Frauen in allen Altersstufen, in allen Shades of Age, geheime Fessel-Fantasien haben, dies haben erst die dunklen Seiten des Herrn Grey ans Licht gebracht. Es sind die Frauen, die das Buch kaufen, und es sind Frauen, die nun zu ihren Freundinnen sagen: Komm wir gehen an Valentinstag ins Kino! Wir müssen ja nicht unbedingt unsere Männer mitnehmen! Ist dies der endgültige Untergang des Floristen-Freudentags?

Vier von zehn Deutschen hassen den Valentinstag, hat soeben „deals.com“ verkündet – dies sei das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die der Internetdienst in Auftrag gegeben hat.

Vier von zehn? Es werden immer mehr! Von meinen Facebook-Freunden habe ich zehn angemailt, um herauszufinden, welche vier vom V-Day so genervt sind wie ich. Und siehe da: Bei meiner kleinen Umfrage sind’s sogar sechs von zehn, die vom Tag der Liebe nichts wissen wollen.

Was Mia Gray vom Valentinstag hält

1. Der Fallschirmsprung-Weltmeister Klaus Renz findet den Valentinstag „schön“. Dabei ist er doch das ganze Jahr über dem Himmel so nah.

2. Die TV-Moderatorin Tatjana Geßler („Landesschau“) hält den Valentinstag für überflüssig. Ihren Verlobten Erwik Jost überrascht sie lieber „spontan“ mit einem Geschenk, wenn sie unterwegs was findet. Im August werden beide heiraten. Kennen gelernt haben sie sich beim Essen im Noodle one in Stuttgart.

3. Der Blogger und Autor Patrick Mikolaj (Unnützes Stuttgartwissen) ist seit vielen Jahren Single und kann allein schon aus diesem Grund dem Valentinstag nichts abgewinnen: „Da wird jedem Single unter die Nase gerieben, dass er allein ist.“

4. Die Künstlerin Iris Caren von Württemberg findet, der Valentinstag gehört abgeschafft: „Das ist Geschäftemacherei, kitschig. Besser wäre ein Tag des Kinderschutzes oder des Flüchtlingsschutzes.“

5. Auch bei „Lotto-Fee“ Chris Fleischhauer geht der Daumen nach unten: „Wer einen bestimmten Tag braucht, um seinem Liebsten zu sagen, dass er ihn mag, hat nicht verstanden, um was es in einer guten Beziehung geht. Es ist viel schöner, wenn man unerwartet mit einer liebevollen Geste überrascht wird. Mein Freund hat mich im November mit einer Reise nach Prag überrascht.“

6. City-Managerin Bettina Fuchs begrüßt den Valentinstag: „Der Tag ist eine schöne Erinnerung, um an seine Liebsten zu denken. Oft gehen im Berufs- oder Familientrubel die Partner und Lebensgefährten unter.“

7. Die Illustrator Michael Lutz hält den Valentinstag für entbehrlich, würde sich aber trotzdem freuen, „wenn mir meine Frau ein paar Tulpen auf den Tisch stellt“.

8. Model und Playmate Mia Gray schreibt: „Ich finde den Valentinstag toll. Man nimmt sich an diesem Tag mehr Zeit für Zweisamkeit.“ Zu zweit – mit ihrem Freund, dem Sänger Oliver Kobs – hat sie sich im Traumpalast in Esslingen „50 Shades of Grey“ angeschaut. „Das war Ringelpiez mit Anfassen“, sagt sie, „das Buch ist besser.“

9. Travestie-Lady Frl. Wommy Wonder findet, dass der Valentinstag „kommerziell überfrachtet“ ist: „Da ich keine bessere Hälfte habe, sondern lediglich ein Alter Ego, feiern wir beide lieber mit allen. Am Valentinstag habe ich einen Auftritt. Schließlich ist die Begegnung mit Publikum auch so was wie ein Rendezvous."

10.
Im Westen führt Mascha Hülsewig seit einem Jahr den Erotikladen Frau Blum. Sie profitiert vom Valentinstag und vom Fessel-Fieber, ist also nicht dagegen: „Wir haben verstärkt Accessoires wie Leder- oder Schmuckfesseln und Spielsachen der edlen Sorte an Männer verkauft, die ihre Frauen am Valentinstag überraschen wollen. Bei uns gibt’s Accessoires aus ,Shades of Grey‘ in hochwertiger Ausführung – wie Bio-Peitschen aus Leder von glücklichen Almkühen, Fairtrade-Kondome oder vegane Gleitgels.“

Hauptsache, alle sind glücklich, die Almkühe wie die Menschen, ob mit Muuuuh oder Ooooooh! Sind die „50 Shades of Grey“ die „neue Befreiung der Frau“ – eine Befreiung, die Fesseln braucht? Am Ende wird die Sache ausgehen wie so oft: Da startet jemand als Tiger und landet als Bettvorleger. Kommen Sie gut durch die Nacht!

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