European-Song-Test-Teilnehmer Raab im Jahr 2000 Foto: dpa

Einer der größten Unterhalter, den dieses Land jemals hervorgebracht hat, geht in Frührente. StN-Autor Tom Hörner verneigt sich vor dem Show-Giganten Stefan Raab, dem er immerhin zwei Dienstreisen zu verdanken hat.

Stuttgart - Nach all den Toten der vergangenen Tage und Wochen (Dracula, Winnetou, Pu der Bär), nun auch noch das: Der Entertainer Stefan Raab wird uns zum Ende des ­Jahres verlassen und von der Bildfläche verschwinden. Das erfüllt mich persönlich mit Wut und mit Trauer. Mit Wut deshalb, weil er es sich im Gegensatz zu mir leisten kann, mit Ende 40 in Rente zu gehen. Mit Trauer, weil ich Stefan Raab viel zu verdanken habe.

Einmal, es war 1998, durfte ich in einem vollbesetzen Charterflieger nach ­Birmingham düsen und einem gewissen Guildo Horn („Guildo hat euch lieb“) beim Singen zuschauen. Guildo Horn sah zwar nicht so aus, aber er war ein erstklassiger Schlagersänger und ein lustiger dazu. Im Bühnenhintergrund stand der Strippenzieher, Stefan Raab, der sich in Anspielung auf einen alten Grand-Prix-Komponisten Alf Igel nannte.

Zwei Jahre später ging’s mit dem Zug nach Bremen, wo Stefan Raab nun selbst beim Eurovision Song Contest antrat – mit der Pop-Parodie „Wadde hadde dudde da“. Raab hielt Pressekonferenzen in der Fußgängerzone ab. Die Antworten auf die Journalistenfragen sang er.

Nach beiden Ereignissen waren ­Menschen wie ich Feuer und Flamme. Sie schrieben, die irren Auftritte des Stefan Raab seien auch deshalb wichtig, weil uns die Welt künftig mit anderen Augen sehen werde. Das war ein frommer Wunsch – und ein Irrtum, wie wir heute wissen.

Die Briten glauben nach wie vor, dass wir zum Lachen in den Führerbunker gehen und klatschen sich auf die Schenkel, wenn sich ein deutscher Komiker auf der Bühne als „German Humorist“ vorstellt. Die Griechen (und vermutlich noch ein paar andere Hungerleider in Europa) halten uns für Geldgeier und Spießer. Der Fall der Griechen belegt immerhin eines: Wahre Sympathie kann man sich nur mit Geld erkaufen.

Gleichwohl sollten wir Stefan Raab danken, dass er sich um das Deutschlandbild im Ausland bemühte. Er hat es im Gegensatz zu Schäuble wenigstens ­versucht.

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