Eines von vielen Museen in der britischen Hauptstadt: die National Gallery am Londoner Trafalgar Square. Foto: imago//Vuk Valcic

Mit kostenlosen Museumsbesuchen in London könnte bald Schluss sein. Ein Fehler, denn Museen sind Orte der kulturellen Teilhabe, sagt Kolumnistin Elisabeth Kabatek.

London liegt auf Platz drei der weltweit beliebtesten Städteziele und erlebte an Ostern einen enormen Besucheransturm. Die Metropole ist nicht zuletzt deshalb ein attraktives Ziel für Kulturreisen, weil die staatlichen Museen nur für Sonderausstellungen Eintritt verlangen, nicht aber für ihre Sammlungen. Wer will, kann seine ganze Zeit in den 22 kostenlosen Museen verbringen, ohne auch nur ein Pfund auszugeben, und sich vom Britischen Museum zur National Portrait Gallery, zur National Gallery, zur Tate Britain und dann auf die andere Seite der Themse zur Tate Modern hangeln. Mit diesem Programm hätte man seinen Städteurlaub bereits gut gefüllt und wahrscheinlich in jedem Haus nur einen Bruchteil der Ausstellungsfläche abgearbeitet.

 

Damit könnte aber bald Schluss sein. Ähnlich wie bei uns, so steht auch in Großbritannien die Finanzierung von Kultureinrichtungen massiv unter Druck. Die National Gallery hat angesichts eines Defizits von über acht Millionen Pfund ein radikales Sparprogramm angekündigt und will weniger große Ausstellungen anbieten. Seit einiger Zeit gibt es eine politische Diskussion darüber, den seit 2001 geltenden freien Eintritt flächendeckend abzuschaffen. Wenn, so die Argumentation, Touristen ohne zu Murren für den Prado in Madrid, den Louvre in Paris und die Vatikanischen Museen in Rom Eintritt bezahlen, warum sollten Eintrittsgelder dann tabu sein, wenn sie dafür sorgen, dass Museen langfristige Planungssicherheit haben? Ein anderer Vorschlag geht dahin, von jedem Touristen eine Bettensteuer zu verlangen, die dann an alle Kultureinrichtungen, nicht nur an Museen, verteilt wird.

Auch in Stuttgart sind die Kassen klamm

In Zeiten klammer Kassen wird diese Diskussion nicht nur in Großbritannien geführt. Die Stadt Stuttgart verlangt ab dem 1. Juli eine Tourismusabgabe in Höhe von drei Euro pro Person und Nacht. Sie soll jährlich ungefähr zehn Millionen Euro in den überstrapazierten städtischen Haushalt spülen. Das könnte sich in höheren Hotelpreisen niederschlagen.

Eine Bettensteuer, die nicht direkt in die Kultur fließt, kann wohl kaum Eintrittspreise ersetzen, aber die Frage nach Kosten und Nutzen bleibt. London zieht sicher mehr Besucher an als andere Städte, weil so viele Museen umsonst sind, und diese Besucher lassen ihr Geld dann in Cafés, Restaurants und Hotels liegen. Das Kunstmuseum Stuttgart lässt verlauten, dass der freie Eintritt zur Jubiläumsausstellung im vergangenen Jahr zu einem Publikumsansturm führte und neue Besuchergruppen gewonnen wurden. Es geht ja nicht nur um Touristen, sondern auch um kulturelle Teilhabe. In London sind auch Museen wie das National History Museum umsonst, die besonders für Familien attraktiv sind. Museen sind Standortfaktor, Tourismusmagnet, Orte der kulturellen Bildung und Bewahrung unserer Geschichte. Freier Eintritt ist gut investiertes Geld.