Chinesische Puppe: NS-Soldat Bastian zieht in den Krieg Foto: dpa

Warum sich immer nur um die Armen und Schwachen kümmern? Auch der Besserverdiener Bastian Schweinsteiger hat unser Mitgefühl verdient. Ein Debattenbeitrag von Tom Hörner.

Stuttgart - Eigentlich wollten wir an dieser Stelle mit einem heiteren, womöglich gar ins Kalauer- oder Zotenhafte abdriftenden Text aufwarten. Aber nachdem der große Filmkomiker Michael Bully Herbig im „Zeit-Magazin“ verkündete, dass er nun ins ernste Fach wechseln wolle, ist uns das Lachen vergangen.

Wenden wir uns also ernsten Dingen zu und schreiben über Schweini, einen deutschen, mittlerweile im Ausland kickenden Fußballprofi. Nicht genug, dass es nicht einfach ist, wenn ein erwachsener Mensch Anfang dreißig von seinen Fans nach wie vor Schweini gerufen wird. Nun also auch noch die Sache mit der Wehrmachtspuppe.

Haben Sie sicher schon davon gehört, dass so chinesische Heinis einem Nazi-Soldaten Schweinis Konterfei verpasst haben. Das ist natürlich hundsgemeini. Man hätte den Gag noch verstehen können, wenn Schweini Stürmer wäre. Aber der Mann spielt im Mittelfeld.

Wobei, eines muss man den Chinesen lassen: Was Ausreden angeht, da sind sie an Schlitzäugigkeit kaum zu übertreffen. Dass die Puppe Bastian heiße, konterten sie, sei reiner Zufall, so heiße schließlich jeder Deutsche. Und was das Aussehen betrifft, so stelle man sich als Chinese eben den „typischen Deutschen“ vor. „Wir glauben, dass alle Deutschen so aussehen.“

Ein starkes Argument, man darf gespannt sein, wie Schweinis Anwälte, die sich der Sache angenommen haben, das entkräften wollen. Die Figur sieht tatsächlich wie ein typischer Deutscher aus, der seine Fußballkarriere beim FV Oberaudorf begann, von 2002 bis 2015 bei den Bayern kickte, inzwischen von Manchester United sein Gehalt bezieht und den seine Fans noch immer Schweini rufen.

Hinweis in eigener Sache: Vor Jahren hatten wir ein Redaktionssystem, dessen Korrekturprogramm eine merkwürdige Eigenart besaß. Wenn man bei „Weihnachtszeit“ das erste H vergessen hatte, schlug das Korrekturprogramm „Wehrmachtszeit“ vor. Wenn da mal nicht Chinesen die Finger im Spiel hatten.