Unterschiedliche Bedürfnisse: Öffentliche Toilettenanlage in Köln Foto: dpa

Sie regen sich über die Diskriminierung von Frauen auf? Dann lesen Sie die versöhnlichen Worte des StN-Frauenverstehers Tom Hörner – und Sie werden die Welt mit anderen Augen sehen.

Stuttgart/Köln - Diskriminierung fängt oft im Kleinen an, etwa bei der Behauptung, dass zwischen Frauen und Männern ein kleiner Unterschied bestünde. Der Unterschied mag im Einzelfall betrachtet klein sein, aber die Folgen sind mitunter gewaltig, wie man an einigen in Köln neu eröffneten Toilettenanlagen sehen kann.

Wollen Frauen die stillen Örtchen ­aufsuchen, müssen sie 50 Cent berappen. Männer können umsonst pinkeln, nur fürs große Geschäft hinter verschlossener Tür sind ebenfalls 50 Cent fällig. Das hinterlässt nicht nur bei Ihnen, meine Damen, sondern auch bei einfühlsamen Männern meines Schlags ein ungutes Gefühl.

Auf die himmelschreiende Ungleichbehandlung angesprochen, ­verwies die stellvertretende Leiterin des Amts für ­Brücken- und Straßenbau auf die „hohe Wildpinkler-Problematik“ im Zusammenhang mit Männern, soll heißen: ­Würde man von Männern für die Benutzung des Urinals Geld verlangen, würden diese das Klo weiträumig umschiffen und sich am nächstbesten Baum Erleichterung verschaffen.

Was auf den ersten Blick ungerecht und frauenfeindlich erscheinen mag, ist bei genauer Betrachtung womöglich eine pragmatische Lösung, mit der Männlein wie Weiblein ganz gut leben können. Denn was steckt da dahinter, meine Damen, dass der Mann, bevor er in die Tasche greift, lieber an einen Baum strullt?

Bedeutet das nicht, dass der Mann weit weniger domestiziert ist, als von ihm gemeinhin behauptet wird? Dass der Mann nach wie vor das animalische Wesen ist, als das Sie ihn lieben und schätzen gelernt haben? Ist das nicht eine erfrischende Erkenntnis, für die man gern bereit ist, beim Toilettengang etwas tiefer in die Handtasche zu greifen als die Kerle? ­Denken Sie dran, sollte er Sie demnächst mit seinem Schnarchen um den Schlaf bringen. Hier röchelt ein kaum zu bändigendes Vieh, ein famoser Wildpinkler.

Ich hoffe, es ist mir mit diesem Text gelungen, aus der Notdurft des Mannes eine Tugend zu machen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: