Schallfänger im neuen Newsroom Foto: Decksmann

Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Aber der Mensch hinkt hinterher. StN-Kolumnist Tom Hörner über Umzüge am Arbeitsplatz und seine Abneigung gegenüber Tischkickern.

Stuttgart/Newsroom - Die Kollegen ziehen in diesen Tagen um – in einen neuen Newsroom. Das stellt mich vor das Problem, ob man überhaupt neuer Newsroom schreiben darf. Ist das nicht doppelt gemoppelt wie alter Greis oder weibliche Bundeskanzlerin?

Da manche Kollegen bisher schon in einem Newsroom gearbeitet haben, muss man wohl neuer Newsroom sagen, was zur Folge hat, dass der bisherige Newsroom automatisch zum alten Newsroom wird. Da eine Tageszeitung aber in der Hauptsache mit News ihr Geld verdient, wird der alte Newsroom aufgelöst.

Ein Newsroom ist eine Art Schaltzentrale für ein Medienunternehmen, das viele Kanäle bedienen will. In dem unseren sollen mehr als 80 Kolleginnen und Kollegen arbeiten. Wenn ein alter Mensch wie ich durch so eine neue, noch kaum bewohnte Arbeitslandschaft latscht, kommt er sich zwangsläufig wie ein Fremdkörper vor. Das ist normal. Wenn sie mir nicht irgendwann einen Computer vorgesetzt hätten, würde ich heute noch auf meiner alten Olympia-Reiseschreibmaschine herumhacken.

Ich bin von Haus aus Optimist und deshalb der Meinung, dass etwas Neues nicht unbedingt schlecht sein muss. Beruhigend finde ich, dass ich bei meiner Inspektion im Newsroom keine Tischkicker entdeckt habe, so Dinger, wie sie angeblich in jeder Klitsche in Silicon Valley herumstehen sollen. Ich kommen gern zur Arbeit, aber wenn mir’s nach Tischkicken ist, gehe ich heim oder in eine Kneipe.

Man kann sich natürlich fragen, ob eine deutsche Tageszeitung gut daran tut, dem Modeenglisch hinterherzurennen und ihre Schaltzentrale Newsroom zu taufen. Ich fürchte, wir kommen da nicht drum herum. Beim schönen Wort Neuigkeitenraum denken ich an die Kantine oder die Cafeteria, wo brandheiße News die Runde machen, die nicht für die Zeitung taugen.

Der Fachbegriff für doppelt gemoppelt lautet übrigens Pleonasmus. Ich fürchte, mit dem Wissen kann ich im ­neuen Newsroom keinen Treffer landen. Ich schreibe also weiter aus meiner Altherrenecke. Irgendwo. Bleiben Sie dran.

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