Auf der Couch: Ex-Entertainer Harald Schmidt und Schulsprecherin Viola im Ville-Gymnasium in Erftstadt (Nordrhein-Westfalen) Foto: dpa

Taugt der Ex-Entertainer und TV-Ruheständler Harald Schmidt als Vorbild für die Jugend? StN-Kolumnist und Ex-Oberschüler Tom Hörner meldet Bedenken an.

Stuttgart/Erftstadt-Liblar - Während auf Schulhöfen, in Internet­foren und in der guten alten Zeitung eine hitzige Debatte darüber entbrannt ist, ob die Schüler in unseren Lehranstalten aufs Leben vorbereitet werden (Stichwort: Steuererklärung), erreicht uns folgende Nachricht: Der Fernsehunter­halter a. D. Harald Schmidt soll vor 200 Oberschülern in Erftstadt-Liblar bei Köln eine Doppelstunde im Fach Lebenskunde ­gehalten haben.

So weit wir die Angelegenheit aus der Ferne beurteilen können, hat Herr Schmidt seine Sache gut gemacht. Er sei nicht nur unterhaltsam gewesen, er habe den jungen Leuten auch ernst gemeinte Sätze mit auf den Lebensweg gegeben, etwa der Art: „Enthusiasmus und Eigeninitiative sind durch nichts zu ersetzen.“

Angesichts solch erbaulicher Worte ist man geneigt, an die Kultusministerkonferenz der Länder eine feurige E-Mail zu schreiben, mit der Aufforderung, Herrn Schmidt doch als Lebenskundler auf Tournee durch die Schulen zu schicken. Zumal die Schüler auch frech gefragt haben sollen, was wohl auch dem Umstand zu verdanken ist, dass sie den Ex-Moderator nur vom Hörensagen kannten. Auch soll Herr Schmidt bestens gelaunt gewesen sein, was wiederum den Verdacht nahe legt, dass dem Mann die große Bühne gefehlt hat. Mit 200 Schülern hatte er zehnmal so viele ­Zuschauer wie zuletzt beim Bezahlsender Sky.

Bei genauer Betrachtung kommen dem deutschen Grübelgeist jedoch Be­denken, ob eine Mail an die Kultusminister der Länder wirklich so klug wäre.

Erstens: Ist es pädagogisch ratsam, einen 57-jährigen Frührentner auf junge Leute loszulassen, die erst mit ­75 Jahren an die Rente denken ­dürfen? ­Zudem noch einen Mann, der sich bereits vor zehn Jahren hätte zur Ruhe setzen können und zu dessen Zeitvertreib es gehört, mit Spielgeld an der Börse zu ­zocken.

Zweitens: Können wir es verantworten, dass sich die geplagte Lehrerschaft künftig an einem Giganten des Unterhaltungsgewerbes messen lassen muss? Wären da TV-Kollegen aus den dritten Programmen nicht die bessere Wahl?

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