Bisher hat sich der Degerlocher Dauerküsser Florian Gauder, der sich „Bussi-Bussi-Baron“ nennt, nicht mit Grippe angesteckt. Foto: Gauder

Für Grippeviren ist Fasching ein Fest. Ärzte warnen davor. Trotzdem will der Stuttgarter „Bussi-Bussi-Baron“ Florian Gauder bis Aschermittwoch 10 000 Küsse kassieren. 3728 hat er schon.

Stuttgart - Klick, klick, klick. Den Bussi-Zähler hat er immer dabei. Während Florian Gauder seine Wange hinhält, egal ob Frauen oder Männern, am liebsten aber den schönsten Närrinnen der Stadt, drückt er drauf.

Bis Aschermittwoch will der Quatschmacher, als Florian der Erste von Degerloch im Baronpaardienst der Zigeunerinsel, die 10 000 vollmachen. Kiss & klick. Es ist nicht sein erster Versuch, das Guinnessbuch der Rekorde zu erobern. Der Firmenchef hat schon eine Riesendrehorgel zusammengeschraubt. Zu seinen verrückten Ideen zählt auch das größte Bubaspitzle der Welt mit 40 Metern Länge.

Aufruf der Ärzte zu „Safer Karneval“

Bremst die Grippe den Frohsinn aus? Bis Montag hat Gauder 3728 Wangenküsse gesammelt oder gegeben. Der Ärzte- Aufruf zu „­Safer Karneval“ könnte den Bussi-Boom nun stoppen. „Drei Wetten laufen, dass ich es nicht schaffe“, berichtet er. Angst vor der Influenza hat der Narenbaron nicht. „Ich bin Bauunternehmer“, sagt er, „das härtet ab.“

Viel reden kann Florian Gauder momentan nicht. Er muss küssen, klicken, küssen. Ist ein guter Küsser ein guter Klicker? Die Südeuropäer mögen den Deutschen in der Kuss-Frequenz beim Begrüßungsritual immer noch voraus sein – doch die Verhältnisse nähern sich an.

Es ist nicht leicht, sich der ewigen Busselei zu entziehen. Wenn beim Guten-Tag-Sagen reihum die Lippen gespitzt werden – wer kann da abseits stehen? Manchmal ist es, wie wenn dich die Großtante einst abschmatzen wollte. Augen zu und durch.

Dabei sind wir Männer besser dran. Laut Allensbach-Studie ist der Begrüßungskuss bei uns weniger üblich, was daran liegt, dass Frauen körperliche Nähe mit Männern und Frauen können, Männer indes nur mit Frauen und selten mit anderen Männern. Jetzt können wir mit der Grippe argumentieren. Leute, ihr sollt die Hände waschen und nicht so oft Fremde abschlecken! Selbst die zwischenmenschliche Kuss-Begegnung ist digital dominiert: Immer zählen dabei nur Klicks!

10 000 Küsse-Klicks! Mit Spaß hat das nichts zu tun. Die Bussi-Bussi-Gesellschaft ist ein Münchner Phänomen. Aber die Unterschiede verschwimmen längst.

Fürs Küssen an den Kassen gibt’s freien Eintritt

Wie romantisch man bei den Staatlichen Schlössern und Gärten von Baden-Württemberg veranlagt ist, soll die Aktion „Küss mich! Im Schloss“ vom 13. bis zum 19. Februar, rund um den Valentinstag, beweisen. In den Schlössern von Heidelberg, Schwetzingen, Mannheim, Ludwigsburg und Solitude gibt es für alle, die sich an der Kasse küssen, freien Eintritt. „Über die Art des Kusses machen wir keine Vorschriften“, sagt Sprecher Frank Thomas Lang. Gespannt ist er, was beim ersten Küssen an Kassen passiert.

Eine gute Idee! Als nächstes sollte man von Floristen mit Küssen Blumen abstauben oder knutschend gratis Bahn fahren. Bei Wahlen küssen die Wähler ihren Kandidaten. Frauen busseln Frösche und lassen Prinzen laufen. Und ein Narr ist, wer ohne Klicken nicht mehr küssen kann.

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