Winfried Wagner (links) und Simon Licht spielen die Hauptrollen in „Laible und Frisch“. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Für Schwaben wird die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester ein Fest. Das Finale von „Die Kirche bleibt im Dorf“ startet am Montag im SWR-Fernsehen, „Laible und Frisch“ kommt am Donnerstag in die Kinos. Die Schwabenoffensive hat viele Zuschauer verdient, findet unser Kolumnist Uwe Bogen: Glotza, Leit!

Stuttgart - Heilix Bimberle! Dramen, Sprüche ond a freche Gosch: Zwischen den Jahren drehen die Schwaben multimedial so richtig auf.

A subbr Sach isch des! Zum Glück sind die Zeiten vorbei, da unsereins in Filmen immer der Depp war. Zum Spotten gern hat der Rest der Republik jenen Volksstamm, dem man bei all seinen Erfolgen mit Porsche, Daimler und Bosch gern mal einen Dämpfer verpasst und ihm nur die Filmrolle des Deppen lässt. Wie die schon reden! Lauter Geizkrägen und Kehrwochenspießer!

In Wahrheit sind Schwaben ganz anders

Die Komödien „Die Kirche bleibt im Dorf“ von Autorin Ulrike Groth und „Laible und Frisch“ von Sebastian Feld zeigen, wie skurril und clever Schwaben in Wahrheit sind. Nicht allein die Bayern können Mundartfilm. Der schwäbische Humor holt auf, weil dieser viele Nuancen hat. In und um Stuttgart herum, ja, bis auf die Alb hinauf leben Menschen, die hintergründig und humorvoll sind – und sympathisch schräg.

An Weihnachten kehren die in alle Himmelsrichtungen verstreuten Exil-Schwaben heim. Wenn so viele die Familie besuchen, sind sie besonders anfällig für Heimatgefühle. Dies glauben die Filmproduzenten und holen zu ihrer geballten Schwabnenladung gerade jetzt aus.

Am Montag, 25. Dezember, 21.45 Uhr, läuft die neue und möglicherweise letzte Staffel der Erfolgsserie „Die Kirche bleibt im Dorf“ an. Bis zum ­1. Januar werden die Doppelfolgen mit schwarzem Humor und neuen Turbulenzen der Häberles und Rossbauers gezeigt – mit Karoline Eichhorn, Christian Pätzold und vielen anderen in den Hauptrollen.

Am Donnerstag, 28. Dezember, ist der offizielle Kinostart für den dank Crowd­funding wahr gewordenen Film „Laible und Frisch – Do goht dr Doig“ – mit Winfried Wagner und Simon Licht als den Bäcker-Kontrahenten sowie den Stuttgartern Ulrike Barthruff, Monika Hirschle und Matthias Dietrich, dem Sohn des VfB-Präsidenten.

In den ersten Tagen entscheidet sich’s

Von Backnang bis Hechingen, von Heidenheim bis Ravensburg – mit 38 Kopien wird’s für die Macher des Schwabenlandfilms nun ernst. In Stuttgart läuft die Kinoversion der als Serie, Theaterstück und Hörspiel erfolgreichen Schwabensaga im Metropol und im Ufa-Palast. Frieder Scheiffele, der 38-jährige Produzent, weiß, dass sich zwischen Weihnachten und Silvester entscheiden wird, ob sein Kinobaby überlebt oder den frühen Kindstod stirbt.

Kinobetreiber sind gnadenlos. Bleiben die Zuschauer in den ersten Tagen aus, wird der Flop abgesetzt – so viele andere Filme drängen rein. Die Schauspieler von „Laible und Frisch“ geben alles und sind auf einer PR-Tour quer durchs Land unterwegs – mit bis zu 13 Terminen an einem Tag.

Das volle Honorar bekommen die Schauspieler erst, wenn „Do goht dr Doig“ nicht zusammenfällt, also nicht floppt. Mit der Rückstellung waren alle einverstanden, um ein Projekt auf die Beine zu stellen, das unfinanzierbar schien – in Berlin hatte man Fördergelder verweigert. Der Film ist nicht nur sehr lustig, sondern auch dank seiner Kameraführung großes Kino. Allein die herrliche Drohnen-Aufnahmen aufs schöne Schwabenland hinab lohnen den Besuch.

Die „Foot in the door“-Strategie

Aber ja, Schwaben sind clever. Es könnte also sein, dass die „Foot in the door“-Strategie aufgeht, wie Scheiffele sie auf Neu-Schwäbisch nennt. Den Fuß in die Tür haben die Produzenten gesetzt, indem sie vor dem Kinostart in etlichen Voraufführungen den Film gezeigt haben. Über 2500 Vorab-Zuschauer habe man bereits gezählt, sagt Scheiffele. „Richtig glücklich“ ist er nun, weil die Reaktionen „so toll“ waren. An Weihnachten, so sein Plan, sollen die begeisterten ­Preview-Besucher daheim am Baum von ­„Laible und Frisch“ erzählen. Wie im Schneeballsystem könnte dann die Lawine der Zuschauermassen losgetreten werden. Für Schwabenlandfilm geht es um viel. Darlehen müssen zurückbezahlt werden.

Volksabstimmung mit den Füßen

Also liebe Leit, es gilt! Die Woche nach Weihnachten wird zur Volksabstimmung mit den Füßen. Noch immer sind Fördergesellschaften und TV-Anstalten skeptisch, wenn es um schwäbische Stoffe geht. Sollte der Bäcker-Film für Rekorde an den Kinokassen sorgen, würde das die Arbeit schwäbischer Produzenten enorm erleichtern.

Mir Schwoba müsset zusammahalta!

Auf ins Kino zu „Laible und Frisch“! Und keine Folge von „Die Kirche bleibt im Dorf“ im SWR-Fernsehen verpassen! Geschichten von hier sind koi Glombb. Die Schwaben­offensive beginnt. Ond mir machet älle mit!

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