Die Nacktparty im Club Schräglage hallt in der Stadt nach. Die Nacktparty im Club Schräglage hallt in der Stadt nach. Foto: 7aktuell.de/Eyb

Was folgt auf die Nacktparty? In den Stuttgarter Clubs gibt’s viele Ideen. DJ-Legende Jens Herzberg will die in den 1980ern erfolgreiche Bukowski-Party neu auflegen. Und wann kommt Porno-Karaoke?

Stuttgart - Von fast allem gibt es viel zu viel. Wer etwas verkaufen will, wer beim Googeln vom Hundertsten ins Tausende kommt oder wer für eine Veranstaltung trommelt, der kennt dieses Problem. Es ist nicht leicht, sich aus der Masse abzuheben, weil man nie der Einzige ist, der sich gegen die Überzahl der anderen zu behaupten hat.

Wie also erzielst du Aufmerksamkeit? Wie erreichst du, dass deine Pläne in den sozialen Netzwerken groß rauskommen oder gar zum Stadtgespräch werden?

Erstes Semester BWL-Marketing: „Sex sells“ – in der Werbebranche sind diese beiden Wörter nicht erst seit Marilyn Monroe in Stein gemeißelt. Nackte Haut funktioniert – komischerweise, mag man hinzufügen – noch immer.

„Focus“ sorgt sich um „Schwaben-Sparwahn“

Nichts hat sich geändert, obwohl auf allen Medienkanälen erotische Signale auf uns einströmen: im Fernsehen, im Internet, am Kiosk, auf den Plakatwänden. Und kaum wird in Stuttgart eine „Nacktparty“ mit freiem Eintritt für Unbekleidete ausgerufen, haut voll rein, wer Schwaben gern belächelt. „Focus online“, fast scheint es so, hat auf diese Vorlage gewartet – auf die im Netz geführte Debatte um Scham, ums Sparen und um Spießer. Wollten wir die Überschrift kommentieren, die sich die Münchner Kollegen zur besagten Stuttgarter Nacktparty einfallen ließen („Geht der Schwaben-Sparwahn jetzt zu weit?“), würden wir sagen: Dieses Schwaben-Bashing geht immer noch weiter! Aber keine Sorge, liebe Münchner, wir spotten nicht zurück, obwohl uns ein Späßle zu den Nackerten an der Isar einfallen würde.

Die Idee zur Partyreihe „Nackt – Freier Eintritt“ stammt aus Berlin, nicht aus Stuttgart. Einige Männer haben tatsächlich im hiesigen Club Schräglage die Klamotten abgelegt (Frauen nicht – weil sie so vernünftig sind und das Spiel durchschauen?). Nein, mit „Sex sells“ hatte das nicht viel zu tun. Es ging nicht um Sex, sondern lediglich darum, in Zeiten der Informationsüberflutung aufzufallen,

Bei „Porno-Karaoke“ wird live synchronisiert

Das war früher nicht anders. Jens Herzberg, eine DJ-Legende der Stadt, dachte beim Belächeln der Nacktparty an eigene Spaßaktionen. „Mit unseren Charles-Bukowski-Partys im Roxy waren wir Ende der 1980er Visionäre“, sagt er. Bier aus der Dose spritzte durch den Raum, Hähnchenschlegel flogen umher, Erotikfilme liefen. Beim Gedanken an den Wettbewerb „Der Längste der Stadt“ schüttelt sich Herzberg noch heute vor Lachen.

Ein unscheinbarer Kerl, erinnert er sich, wollte zunächst beim Genitalienvergleich nicht mitmachen, meldete sich aber in letzter Minute, um die Flasche Jackie abzugreifen. „Der Messbeauftragte kam kreidebleich vom Klo zurück“, erzählt Herzberg, „das Lineal hatte nicht ausgereicht.“ Wenigstens wurde nicht auf offener Bühne ausgepackt und ausgemessen.

Eine Bukowski-Gedächtnisparty – das würde die DJ-Legende heute gern machen. „Wir bräuchten einen Club, der bald schließt“, sagt er. Aus Berlin hört man von noch mehr schrägen Partys. Porno-Karaoke ist einer der Hits. Auf der Leinwand laufen ohne Ton Pornos. Freiwillige vor! Sie synchronisieren live, was sie sehen.

Ohne Alkohol geht’s bei „Morning Gloryville“ ab – vor der Arbeit trifft man sich gegen 6.30 Uhr zum Früher-Vogel-Rave.

Wer auffallen will, dem wird was einfallen. Aber eines gilt auch hier: Männer, die sich wie Gockel aufführen, verdienen nur die Aufmerksamkeit von Hühnern.

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