Waches Auge Foto:  

Weil ein Anwohner sich über Lärm auf dem Bolzplatz beschwert hat, bekommt Sachsenheim nun den intelligentesten Fußballplatz der Welt.

Sachsenheim - Es ist so eine Sache mit den Innovationen: die meiste Zeit über tut sich gar nichts, bis schließlich der große Durchbruch kommt – danach ist nichts mehr so wie zuvor. Diese sehr grob vereinfachte allgemeine Darstellung technologischen Fortschritts lässt sich auch im Kleinen beobachten, zum Beispiel jüngst in Sachsenheim. Im dortigen Stadtteil Kleinsachsenheim wird nun der wohl intelligenteste Fußballplatz der Welt installiert. Oder anders gesagt: Sachsenheim schafft den Bolzplatz 4.0.

Bevor wir in technische Details gehen, erläutern wir die Vorgeschichte: Weil sich ein Anwohner über den nächtlichen Lärm an einem Bolzplatz beschwert hat, forderte das Landratsamt ein Lärmschutzgutachten ein, das es bis dato gar nicht gab und erlaubte die Nutzung des Platzes nur, wenn er eingezäunt wird und mit stark eingeschränkten Nutzungszeiten versehen wird. Zudem brauche es einen Schließdienst, der kontrolliert, ob die Vorgaben von den Kickern eingehalten werden. Das war der Stadt aber zu teuer, weswegen man kurzfristig das Angebot von Bürgern dankend annahm, die den Schließdienst ehrenamtlich übernehmen wollten – darunter übrigens auch jener Bürger, dessen Beschwerde die ganze Sache erst ins Rollen gebracht hatte.

Einmalige Anschlussgebühr von 600 Euro

Weil die Freiwilligen den Schließdienst jedoch nur bis zum Sommer machen wollen, musste eine andere Lösung her. Und die hat die Stadt jetzt gefunden: der Platz wird mit einem modernen Fernüberwachungssystem mit Bewegungsmeldern, Lautsprechern und Kameras ausgestattet. Wenn die Bewegungsmelder außerhalb der erlaubten Nutzungszeiten reagieren, werden die Kameras aktiviert und ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, die das System anbietet, kann die Störenfriede dann über ein Mikrophon maßregeln. Die Tür zum Platz bekommt ein elektronisches Schloss. So hat es der Gemeinderat nun beschlossen. Kosten: Knapp 2000 Euro im Jahr, hinzu kommt – wie immer, wenn es um Technik geht – eine einmalige Anschlussgebühr von 600 Euro.

Bei der Stadt freut man sich über die günstige Lösung und betont die Vorzüge dieses Systems, während andere mit Big-Brother-Unkenrufen das Projekt madig reden wollen. Hier geht es aber nicht um Überwachung oder lückenlose Kontrolle, sondern um ein System, das dem Menschen dienen soll.

Hochentwickelte Computer-Intelligenz soll folgen

So kann bei strittigen Entscheidungen stets der Videobeweis eingefordert werden. Jeder Spieler bekommt nach dem Bolzen eine detaillierte Statistik seiner Laufwege und Passgenauigkeit. Als computergenerierte Kommentatorenstimmen aus dem Bolzplatz-Heads-Up-Display stehen zur Verfügung: Béla Réthy („Eckball. Nein. Abstoss.“), Fritz von Thurn und Taxis („Briiima!“) sowie der Bürgermeister Horst Fiedler („Um achte ist aber Schluss, Kinder!“).

In einer nächsten Stufe soll dann der überwachende Mitarbeiter hinter der Kamera durch eine hochentwickelte künstliche Computer-Intelligenz ersetzt werden, um noch mehr Geld zu sparen. Begehrt ein Bolzer nach 20 Uhr dann Einlass, wird es dann heißen: „Es tut mir leid, Dave, aber ich fürchte, das kann ich nicht tun.“

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