Wanderpräsident Karl Castens, vermutlich in den 80er Jahren Foto: dpa

Ob das Wandern des Müllers Lust ist, vermögen wir nicht zu beurteilen. Aber wir wissen, dass es die Landes-CDU derzeit hinauszieht in Gottes freie Natur. StN-Autor Tom Hörner kann kaum mit Worten Schritt halten.

Stuttgart - Es wird viel in diesem Land über Einwanderung diskutiert, dabei geht, so glaube ich, der Blick auf eine eher dem Vergnügen zugewandte Fortbewegungsart ver­loren, dem gemeinen Wandern. Gerade die Grünen, denen man eine Nähe zur Natur nachsagt, haben beim Wandern noch keinen Fuß auf den Boden bekommen, sie setzen auf den natürlichen Feind des Automobilisten, den Radfahrer.

Auch sonst scheint keine etablierte Partei von der Wanderlust gepackt – mit Ausnahme der Union. Von der Kanzlerin machten diese Woche Urlaubsbilder die Runde, wie sie mit Schirm in der Hand und Herrn Sauer im Schlepp in Sulden/Südtirol herumstapfte. Um die Kosten fürs Pickerl zu sparen, reiste Frau Merkel mit einer Maschine der Luftwaffe an.

Der Kanzlerin gebührt ebenso unser Respekt wie der CDU-Landtagsfraktion von Baden-Württemberg, die „die Damen und Herren der Presse“ zum Gedankenaustausch beim Wandersommer eingeladen hat. Schon die erste von fünf Touren, vergangenen Mittwoch anberaumt, klang verlockend: „Auf Pilger-, Leberkäs-, Weizenbier- und Emmentalerpfaden“ ging es darum, den Wahlkreis des Landtagsabgeordneten Paul Locherer zu erkunden. Locherer gab den Wanderführer, mit von der Partie waren der Ankündigung zufolge der Faktionsvorsitzende Peter Hauk sowie der Landtagspräsident Guido Wolf.

Vielleicht ist es ungerecht, in dem Zusammenhang die Verdienste des verblichenen Bundespräsidenten Karl Carstens, ebenfalls CDU und ein leidenschaftlicher Wanderer, in Erinnerung zu rufen. Anstatt die Kilometerleistung des strammrechten Wandersmanns zu würdigen, feixte seinerzeit die Frankfurter ­Satiremafia: „Von der Nas bis an den Memel – ein deutscher Präsident“. Wie viel entspannter geht es heutzutage zu, wenn Unionisten auf Pilger-, Leberkäs-, Weizenbier- und Emmentalerpfaden wandeln, zumal,wenn die Gehzeit (inklusive Pausen) mit sechs Stunden für 14 Kilometer machbar erscheint. Das packt selbst eine weizenbiergetränkte Wanderniere im tiefsten Emmental.

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