Da war alles noch gut: Martin Schulz bekommt beim Landesparteitag in Schwäbisch-Gmünd Anfang März einen Schulz-Zug von der SPD-Landesvorsitzenden Leni Breimeyer geschenkt. Foto: dpa

Der Schulz-Zug ist vorbei? Egal, denkt sich die SPD in Freiberg am Neckar und feuert Pressemitteilungen aus allen Rohren. Ihr Sinn erschließt sich dabei manchmal der eigenen Gemeinderatsfraktion nicht.

Freiberg/Neckar - Mit Medienhypes ist es so eine Sache. So lange es gut läuft, schwebt die medial hochgejazzte Person oder das Thema über allem anderen. Aber wehe, wenn die Blase platzt, dann bricht das große Scherbengericht über einen herein, die Medien üben anständig Selbstkritik – nur um es beim nächsten Mal wieder ganz genauso zu machen. Das beste Beispiel der jüngeren Zeit ist die Begeisterungswelle um den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Die ist mittlerweile zu einem Sturm im Wasserglas geschrumpft, der sogenannte Schulz-Zug, ein paar Wochen und drei Landtagswahlen früher noch eine Art Transrapid-Direktverbindung vom Willy-Brandt-Haus ins Kanzleramt, ist zu einer Geisterbahn verkommen.

Tabakwerbeverbot und Spenden-Verzicht

Gut, dass sich der Martin noch auf die Unterstützung der Basis verlassen kann. Denn die Pressemitteilungen von SPD-Ortsverbänden im Landkreis haben in den vergangenen zwei Monaten spürbar zugenommen – offenbar wollen sie ihrem bislang eher unkonkret gebliebenen Chef inhaltlich unter die Arme greifen. So liest man davon, dass die SPD in Ludwigsburg Tabakwerbung verbieten will oder, dass der SPD-Direktkandidat im Wahlkreis Neckar-Zaber auf Spenden von Verbänden und Konzernen, die höher als 1000 Euro sind, verzichten möchte. Hehre Ziele, die den heiligen Sankt Martin freuen dürften.

Freiberg, die Hochburg der SPD-Pressemitteilungen

Weniger eindeutig ist das in Freiberg am Neckar, der derzeitigen Hochburg der SPD-Pressemitteilungen im Kreis. Der Ortsverband dort lieferte sich jüngst einen regelrechten Pressemitteilungs-Schlagabtausch mit der FDP. Es begann mit der Kritik daran, dass die Haushaltsabschlüsse für 2014 und 2015 fehlen. Eine Nachfrage bei der Fraktion ergab: Das wolle man derzeit nicht an die große Glocke hängen – dennoch hatte es der Schriftführer des Ortsverbands per Pressemitteilung an die Redaktionen verschickt. Weiter ging es mit der Kritik, dass die Entscheidung, das Bürgerfest fortan nur noch alle zwei Jahre zu veranstalten, ohne Einbezug der Vereine und heimlich getroffen wurde. Die Freiberger FDP konterte korrekt: Der Beschluss sei in öffentlicher Sitzung gefasst worden. Eine Entschuldigung bei Bürgermeister und Gemeinderat sei angebracht. Die gab es aber nicht, stattdessen eine weitere Mitteilung, in der man sich über eine „Einheitsmeinung“ in der Stadt echauffierte. Der Gemeinderat solle diskutieren und nicht die Verwaltung verteidigen. „Freiberg geht merkwürdigen Zeiten entgegen“, heißt es in der Mitteilung. Stimmt.

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