Zündend: Die schönen Ideen für Ehningen Foto:  

Diese Woche suchen zwei Oberbürgermeister die Nähe zu ihren Bürgern und Ehningen noch immer nach seiner Identität.

Ehningen - Ehningen ist nun schon seit mehreren Monaten auf der Suche nach seiner Identität – und hat noch nicht viel gefunden. Im Schatten von IBM ist es offenbar schwer, auf eigene Gedanken zu kommen. Neben einem Bürgerbeteiligungsprozess ist eine Begleitgruppe eingerichtet worden, die dem Gemeinderat jetzt Ergebnisse präsentiert hat. „Ehningen – wir gestalten Zukunft und handeln heute“, soll die Botschaft sein, um den Ort den Bürgern nahe zu bringen. Aber so könnte auch der Slogan für einen internationalen Computer- und Softwarehersteller heißen.

Spannung in Ehningen

Es bleibt dennoch spannend in Ehningen, kündigte der Bürgermeister Claus Unger an. Ein Logo und ein Leitspruch sollen für die Kommune entwickelt werden. „So gelingt die Identifikation für die Bürger und auch für Besucher leichter“, hieß es in der Sitzung, was eigentlich eine Bankrotterklärung ist. Als Vorschlag steht ein Zündholz im Raum – in Erinnerung an dessen in Ehningen geborenen Erfinder. Analog zu Friedrich Kammerers Leistung soll der ­Slogan die Redewendung „eine zündende Idee“ enthalten, obwohl genau diese 1832 in Ludwigsburg stattgefunden hat. Für Claus Unger war an dem Punkt dann auch Schluss mit Bürgerbeteiligung und Begleitgruppe: Er schlug vor, einen professionellen Dienstleister zu beauftragen. Auch dem Gemeinderat war ein Licht aufgegangen, er forderte, gleich drei Büros mit der schweren Aufgaben zu beschäftigen.

Stefan Belz verfolgt eine andere Strategie. Im „Raum für Taten und Talente“ sorgt der Oberbürgermeister dafür, dass sich die Böblinger vor allem mit ihm identifizieren. Dafür hat er die Frequenz seiner Reihe Bürgernah stark erhöht: Innerhalb von einem Monat hielt er gleich drei Sprechstunden ab – und zwar jedes Mal vor einem anderen Hintergrund. Auch Stammgästen wird es bei dieser Vorgehensweise nie langweilig. Die erste fand klassisch in seinem Dienstzimmer statt. Für die zweite opferte Stefan Belz einen Samstag und ging mit den Einwohnern auf einen einstündigen „gemütlichen Winterspaziergang“ mit anschließendem Umtrunk wie es beim Albverein üblich ist. Diese Woche hat er von 9 bis 11 Uhr zum „gemeinsamen Frühstück“ im Einkaufszentrum am Bahnhof aufgerufen. Die Kosten dafür seien selbst zu tragen, stand vorsichtshalber in der Einladung, bevor die Bürger auf zündende Ideen kommen.

Der OB schafft mehr Lebensqualität

Fragen, Anregungen, Wünsche und Anliegen sammelt Stefan Belz bei seinen Ausflügen mit der Bürgerschaft, „um mehr Lebensqualität zu schaffen, die soziale Stadtgesellschaft zu stärken und die richtigen Impulse im Wirtschaftsbereich zu setzen“. Mehr Lebensqualität durch Bewegung und Impulse im Wirtschaftsbereich durch eine Umsatzsteigerung beim Bäcker sind ihm bereits gelungen. Es bleibt spannend, wohin der OB die Böblinger das nächste Mal führt. Eine Fahrradtour steht sicher bald auf dem Programm und ein Besuch des Bauernkriegsmuseums könnte die Stadtgesellschaft stärken.

Klar, dass Bernd Vöhringer seinem Nachbarn nicht tatenlos zuschauen kann. „Live mit dem OB“ lautet seine brennend heiße Gegenerfindung – die erste Facebook-Sprechstunde. „Voller Vorfreude“ ist er schon auf die Fragen zu allen städtischen Themen, steht in der Mitteilung der Stadtverwaltung. „Das ist für uns einer neuer Weg der Bürgerbeteiligung“, erklärt Bernd Vöhringer, „eine tolle Gelegenheit, um die Interessen, Sorgen und Nöte der Sindelfinger noch besser kennenzulernen.“ Spaziergänge hat er mit seinen Bürgern schon genug unternommen, er holt die Menschen jetzt dort ab, wo sie sich wirklich herumtreiben: im Internet.

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