Nicht verwirrt, nur verirrt: Manche Igel finden sich nicht mehr zurecht. Foto: dpa

Aufgelesen im Kreis: Süßes und Saures. Diese Woche besteht viel Gesprächsbedarf in Sachen Corona. Die Hotline des Gesundheitsamtes bricht zusammen, und die Verwaltungen rüsten auf.

Böblingen - Die Verwirrung wegen des Coronavirus’ und seiner Folgen scheint groß zu sein. So groß jedenfalls, dass die Hotline des Böblinger Gesundheitsamtes bereits mehrfach zusammengebrochen ist. Das Landratsamt hat die Zeiten, in denen das Telefon besetzt ist, nun wieder auf die Wochenenden ausgedehnt; mit einem leicht genervten Ton: „Wichtig: Die Hotline ist keine ärztliche Beratung!“, heißt es in der Mitteilung. Das Gesundheitsamt sei „in allererster Linie für die Nachverfolgung der Kontaktpersonen und die Benachrichtigung infizierter Personen und deren Kontakte zuständig“ – und keinesfalls für irgendwelche Befindlichkeiten von Kreisbewohnern.

Die Kreisstädte übernehmen die Corona-Seelsorge

Um diese Art von Seelsorge kümmern sich die Kreisstädte selbst – mit Ausnahme von Leonberg, wo weiterhin konsequent die Nummer des Gesundheitsamtes vorgeschoben wird. Sindelfingen hat ausnahmsweise einmal früh reagiert und bereits Ende Oktober, kurz vor dem aktuellen Teil-Lockdown, seine Hotline ebenfalls wieder samstags und sonntags freigeschaltet. Mit Gesprächsbedarf am Wochenende war zu rechnen, denn dann haben die Bürger endlich Muße, richtig in sich hineinzuhören – und danach jede Menge Fragen. Allerdings sollte dort kein Aidlinger und vermutlich schon gar kein Böblinger anrufen, die Leitung ist nur „für allgemeine Fragen zum Thema Corona in Sindelfingen“ gedacht, heißt es ausdrücklich auf der städtischen Homepage. Möglicherweise dürfen nicht einmal Sindelfinger dort anrufen, die sich in der Nachbarstadt angesteckt haben.

Das sonst so bürgernahe Böblingen geht bei diesem Thema dagegen eher auf Distanz und grenzt das Themengebiet wie die Sindelfinger Kollegen ein: „Fragen zu Corona in Böblingen können Sie unter corona@boeblingen.de abgeben“, steht auf der städtischen Internetseite. Abgesehen davon, dass sich die Einwohner dort gleich mit Namen und Adresse kenntlich machen müssen (vermutlich, damit sich keine Sindelfinger einschleichen), müssen sie sich auch noch gedulden. „Aufgrund des aktuell hohen Aufkommens von Fragen“ sei eine zeitnahe Beantwortung nicht immer möglich. Eine heiße Nummer – also auch schnelle Information – gibt es nur bei Verwirrung „über die Corona-Regelungen in Böblingen und Dagersheim“.

Herrenberg hat ebenfalls wieder eine Hotline

Herrenberg will im Reigen der Kreisstädte natürlich nicht aus der Reihe tanzen und hat jetzt endlich auch eine zen­trale Anlaufstelle geschaffen. „Angesichts der dynamischen Entwicklung der Corona-Lage und der zahlreichen Fragen, die die Verwaltung auf verschiedenen Kanälen erreichen, hat die Stadt Herrenberg eine Corona-Hotline eingerichtet“, teilt sie mit. Bislang haben die Anrufe alle möglichen Abteilungen blockiert, bis sich fünf Verwaltungs-Studierende erbarmt und die Anlaufstelle eingerichtet haben, steht in der Mitteilung. Werktags zu Bürozeiten können „grundsätzliche Fragen rund um das Thema Corona in Herrenberg“ gestellt werden. Damit bezüglich der Antworten, die unter 0 70 32/92 44 00 gegeben werden, niemand zu große Erwartungen hegt, hat die Verwaltung gleich ein paar exemplarische Fragen mitgeschickt: „Welche Geschäfte dürfen noch geöffnet sein?“, „Muss ich in der gesamten Fußgängerzone eine Maske tragen?“ oder „Ich komme aus einem Risikogebiet, wie muss ich mich nun verhalten?“ zählen dazu. Bei medizinischen Themen seien die städtischen Mitarbeiter hingegen überfragt, betont auch Herrenberg.

Das Problem ist offensichtlich: Die Menschen finden keine Ablenkung mehr von dem beherrschenden Thema. Deshalb wird an dieser Stelle noch auf gute Nachrichten aus dem Kreis Böblingen aufmerksam gemacht. In Bondorf ist eine Igelfamilie vor dem sicheren Hungertod gerettet worden – mit Rührei. Die Mutter war, anders als die Menschen momentan, nicht verwirrt, sondern nur verirrt und mit ihren acht Babys in einem Lichtschacht gelandet. Die Finder stärkten sie zunächst mit Wasser und der Eierspeise. Ein Anruf bei der Igel-Hotline erbrachte dann nicht nur Antworten, sondern gleich konkrete Hilfe: Die Familie wurde in die Igelstation Nagold-Hochdorf verfrachtet, wo sie für den Winter aufgepäppelt und ausgewildert wird.

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