Robert De Niro als „The Intern“ Foto: Verleih

Aufgelesen im Kreis: Süßes und Saures. Diese Woche ist in Sindelfingen eine Frist eingehalten worden. Mit dem Oberbürgermeister will sich bisher niemand anlegen.

Sindelfingen - Claus Unger liefert es schriftlich. Sonst würde es ihm wohl niemand abnehmen: Seine Nachricht ist so unglaublich, dass er sie teilweise in Großbuchstaben setzen muss. „Dieses Jahr wird es am Schmotzigen Donnerstag ausnahmsweise KEINEN Rathaussturm geben“, schreibt der Bürgermeister von Ehningen. Den Grund dafür teilt er nicht mit. Aber das Schönaicher Mitteilungsblatt spricht Bände: Auf dem Titel ist der Rathaussturm der Hasenbühl-Hexen am 23. Februar groß hervorgehoben. „Dieses Jahr begleiten uns lautstark die Edafetzer aus Ehningen“, steht dort. „ACHTUNG ÄNDERUNG“ heißt es dagegen auf dem Ehninger Heft in Großbuchstaben. Die Narrenfreunde haben sich kurzerhand ein Ausweichquartier geschaffen – und laden zur „Megasause im Zelt auf dem Marktplatz“ ein.

Statt Zelt auf dem Marktplatz Party im Foyer

Besser so, als sich ewig etwas vorzumachen. In keinem einzigen Rathaus werden natürlich jemals die Narren das Sagen haben. Die Sindelfinger Verwaltung setzt den Besuch ihrer Faschingsdelegation gleich in die richtige Perspektive: Die Karnevalsgesellschaft Blau-Weiss Sindelfingen „stürmt“ am Donnerstag, 23. Februar, um 17 Uhr das Rathaus, steht auf der städtischen Homepage im Veranstaltungskalender. Falls irgendjemand gedacht haben sollte, dass Bernd Vöhringer seinen Chefsessel räumen könnte, dem wird mit den beiden Anführungszeichen sehr deutlich gemacht, dass es sich dabei natürlich nur um einen Spaß handeln kann. Aber klare Verhältnisse haben auch ihre guten Seiten: Immerhin muss die Karnevalsgesellschaft kein Zelt auf dem Marktplatz aufbauen, sondern darf ihre Fasnetsparty im Foyer des „gestürmten“ Rathauses abhalten.

Bei der Bewerbung die Frist eingehalten

Insgesamt präsentiert sich Bernd ­Vöhringer gerade von seiner verlässlichen Seite. Während die Narren feiern, hat er an seiner Wiederbewerbung gefeilt – und eine Frist ganz vorbildlich eingehalten. Am erstmöglichen Werktag ließ sich der Oberbürgermeister fotografieren, wie er ­lächelnd einen Briefumschlag in den Rathausbriefkasten schob. Die Bewerbungsfrist hatte erst am letzten Sonntag begonnen, und sie läuft noch bis zum 10. April, 18 Uhr. Gewählt wird am 7. Mai. Andererseits macht der Oberbürgermeister diese Prozedur nun schon zum dritten Mal, seine Bewerbungsmappe hat er vielleicht einfach aus der Schublade geholt. Tipps, worauf es dabei ankommt, konnte er auf der städtischen Homepage finden. „Zeige uns, was Du besonders gut kannst, und überzeuge uns davon, dass Du die/der Richtige für die Stelle bist“, heißt es dort. Und weiter: „Du darfst ruhig Deine besonderen Fähigkeiten und sonstigen Kenntnisse hervorheben.“ Die Bewerbung sollte weder „von falscher Bescheidenheit noch von Überheblichkeit“ geprägt sein.

Ob sich überhaupt ein weiterer Kandidat traut, Bernd Vöhringer herauszufordern, ist mehr als fraglich. Zumal just vergangene Woche ein Rundgang durch die Stadt ergeben hat, dass Sindelfingen absolut sauber ist. Unter Anführung des Oberbürgermeisters machte sich eine Rathaus-Delegation auf in die Innenstadt, um Müll zu suchen. Bis auf ein leeres Gemüseglas, das neben einem Mülleimer am Domo platziert worden war, ließ sich kein Schmutz auftreiben. Zwar hat es über alle Parteien hinweg Sondierungsgespräche gegeben, aber bislang offenbar ohne Ergebnis. So ein Wahlkampf kostet Geld und Zeit. Außerdem wissen alle Narren, dass sich ein eingesessener Amtsinhaber meist nur in Anführungszeichen aus dem Rathaus „stürmen“ lässt.

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