Aufwendig: putzen im Juha Foto: gradt-stock.adobe.com

Aufgelesen im Kreis: Süßes und Saures. ­Diese Woche fördern Meinungsumfragen und Dorfputzete seltsame Erkenntnisse zu Tage. Mehr Jugend ist in den Jugendhäusern gefragt. Dort dürfen jetzt sogar die Eltern antanzen.

Herrenberg - Die Herrenberger sind eigen. Diese Schlussfolgerung legt eine Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung nahe. Die Wissenschaftler haben an zwei Tagen 400 Personen in der Innenstadt befragt, um herauszufinden, wie attraktiv Herrenberg ist. Und dabei trafen sie fast nur auf Einheimische, zu 75 Prozent um genau zu sein. Das ist laut dem Institut ein „auffälliger“ Wert. Und noch auffälliger ist, dass als Aufenthaltgrund von 30,2 Prozent der Befragten Sightseeing genannt wurde. Die Zahl ist doppelt so hoch wie anderswo. Der Lokalpatriot würde nun sagen: Es gibt auch doppelt so viel zu sehen wie anderswo. Aber das trifft vielleicht auf Vergleichsstädte wie Böblingen zu.

Die herrenberger schauen sich selbst beim Einkaufen zu

Bei aller Liebe zur Stiftskirche, die wird auf Dauer doch irgendwann langweilig. Die Wissenschaftler meinten zwar euphorisch, dass diese Erkenntnis ein Pfund sei, mit dem sich wuchern lasse. Aber sie haben leider versäumt, die wirklich wichtige Frage zu stellen: Was schauen sich die Herrenberger bei ihren Stadtausflügen eigentlich jedes Mal an? Vermutlich weil die etwas peinliche Antwort darauf nur lauten kann: sich gegenseitig. Das ist für den Herrenberger – nun wissenschaftlich belegt – eine ganz aufregende Angelegenheit, samstags zu beobachten, was andere Herrenberger einkaufen und im Restaurant bestellen. Die Klärung der Fragen, wie die Stadt mit diesem Pfund beispielsweise bei den Böblingern wuchern soll, hat das Institut ebenso wenig als seine Aufgabe angesehen wie die entscheidenden Fragen zu stellen.

Hundehaufen und ein weiterer mysteriöser Fund

Manche Dinge bleiben einfach ein Rätsel. In Weil im Schönbuch sind es die Hundehaufen, die ein Unbekannter seinen Vierbeiner regelmäßig vor der Neuweiler Grundschule absetzen lässt. Wobei die Markungsputzete ergeben hat, dass das Tier auch im Rest der Kommune seine Spuren hinterlässt: „Das einzige, was nicht weniger wird, sind die Hundehaufen“, zog ein Putzete-Teilnehmer Bilanz. Der Bürgermeister Wolfgang Lahl sinnierte derweil darüber, warum Wein- und Schnapsflaschen aus dem Autofenster entsorgt werden müssten, wenn doch die Müllgebühren so niedrig seien und es Wertstoffhöfe gebe. Auf diese Antwort käme sicher sogar das Institut für Handelsforschung: Leere Wein- und Schnapsflaschen im Auto sind am Tag danach einfach ein unschöner Anblick. Die Breitensteiner haben dagegen keine Fragen mehr gestellt, sondern gleich die Polizei gerufen. Sie fanden eine mit Autoschlüsseln befüllte Geldkassette.

Verzweifelte Werbeaktion des Jugendhauses?

Etwas mysteriös wirkt auch die jüngste Werbeaktion des Bondorfer Jugendhauses: Dort tanzten Anfang März die Erwachsenen zu Oldies, um die Einrichtung bekannter zu machen. Anfang März lud das Jugendreferat zur Rocknacht, „alles, nur kein Schlager“, lautete das Motto. Die Idee war, die Elterngeneration anzulocken, „damit sie dann wiederum ihre Kinder her schicken“, erklärte die Jugendreferentin. In genau jener Generation wäre es sicher das Ende eines Jugendhauses gewesen, wären dort Eltern angetanzt. Wahrscheinlich, weil dann Schlager gespielt worden wären. Aber heutzutage sind Kinder und Eltern ja oft kaum noch auseinander zu halten.

Im April dann versuchte die Gemeinde die eigentliche Zielgruppe unter dem Titel „Part(y)zipation“ ins Jugendhaus zu holen. Es kamen 13 Personen. Sie forderten einen Raum, um sich unkompliziert treffen zu können. Bürgermeister Bernd Dürr bot ihnen das Jugendhaus dafür an und unkompliziert gleich auch den Schlüssel dafür. Aber die Jugendlichen lehnten ab, weil der Boden nach jeder Benutzung aufwendig gewischt werden müsse. Bei einer Umfrage würde sie bestimmt eindeutige Antworten geben: Ihre Eltern sollten weniger zum Feiern als zum Putzen eingeladen werden.

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