Produziert er schon Strom? Foto: Decksmann

Ein Smartphone, das beim Radfahren geladen werden kann? StN-Autor Tom Hörner, im Nebenberuf Pedalist, überlegt, ob er die Energiewende nicht allein stemmen kann.

Stuttgart - Sony hat ein neues Smartphone herausgebracht, für das man als Extra ein Fahrrad bestellen kann. Wenn ich die Sache richtig verstanden habe, wird das Fahrrad an der Unterseite des Smartphones befestigt und verkabelt. Je nachdem wie stark der Radler in die Pedale drückt, desto mehr wird das Smartphone aufgeladen. Das Rad ist der letzte Baustein, der uns zum Erfolg der Energiewende gefehlt hat. Die Stromquelle Mensch wird erschlossen.

Verwundern mag einen das kaum. Längst hat der ökobilanzbewusste Bürger erkannt, dass Strom nicht gleich Strom ist, auch wenn es sich immer gleich anfühlt, wenn man in die Steckdose fasst. Da gibt es Pfuistrom, der in Atom- oder Kohlekraftwerken erzeugt wird. Dann gibt es den guten Öko-Strom aus regenerierbaren Energiequellen, ich sage nur Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme. Und nun also: Humanstrom.

Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer, und als ich das las, habe ich mir überlegt, ob ich in die Energiewirtschaft einsteigen soll. Nicht nur mit Handys, so richtig, im großen Stil. Ich könnte mir vorstellen, so lange zu radeln, bis ein Akku gefüllt ist, mit dem man Baukräne oder Tunnelbohrmaschinen bewegen kann. Es ist Sommer, ich bin jung und fühle mich gut.

Dem Smartphone wird es egal sein, woher der Strom kommt. Vielleicht aber auch nicht. Selbst wenn es physikalisch dasselbe ist, was bei der Atomkraft oder dem Wadenantrieb hinten rauskommt, der moralische Unterschied ist so groß, der kann auch einem Smartphone nicht entgehen. Es ist wie beim Karottenbrei. Natürlich kriegt das der Herr Hipp auch hin, aber bei Mama kommt die Pampe vom Herzen – das spürt das Kind.

Schöne neue Welt. Künftig wird man nicht mehr nur Smartphones verschenken, sondern sie stolz mit „Selbstgeladen!“ überreichen. Im ersten Moment wollte ich mich als Humanenergetiker selbstständig machen. Da diese Woche der Bundestag aber den Mindestlohn verabschiedet hat, halte ich nach einem Energieriesen Ausschau, der „junge Männer zum Mitfahren“ sucht.

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