Blick aus einer Blumenwiese Foto: dpa

Ein Landkreis sucht die schönste Blumenwiese. Ein toller Wettbewerb, meint StN-Autor Tom Hörner - und kommt zu wiesenschaftlich interessanten Erkenntnissen.

Ein Landkreis sucht die schönste Blumenwiese. Ein toller Wettbewerb, meint StN-Autor Tom Hörner - und kommt zu wiesenschaftlich interessanten Erkenntnissen.

Stuttgart/Böblingen - Kurz vor der WM der Fußballer soll an dieser Stelle eine andere Meisterschaft gewürdigt werden: die Wiesenmeisterschaft im Landkreis Böblingen. Die ­Wiese, das ahnt auch der dem ­gesunden Landleben entfremdete, mit ­ Wohlstandsmüll vollgestopfte, feinstaubgeplagte Stadtbewohner, gehört nach wie vor zu den Säulen dieser Gesellschaft.

Wiesen ist Macht, wir alle wiesen es, ist im Deutschen seit Jahrhunderten ein geflügeltes Wort und geht auf den ­englischen Philosophen Francis Bacon (1561–1626) zurück, den ollen ­Empiriker. Bacon wiederum ist nichts anderes als gut durchgebratener Frühstücksspeck, womit wir – hier schließt sich der Kreis – wieder in einer Region gelandet sind, die im ­Wiesentlichen durch Wald- und Wildwuchs geprägt ist.

Mit der Wiesenmeisterschaft zeigt der Landkreis Böblingen all jenen Gras­dackeln die kalte Schulter, die Wochen­ende für Wochenende das bisschen Grün hinter ihrem Einfamilienreihenmittelhaus mit stinkenden Zweitaktmaschinen oder nervig-schnurrenden Langhaarschneidern auf Skinheadhaarlänge ­trimmen.

Eine Wiese ist mehr als nur ein paar Quadratmeter ­Alibigrün. Eine Wiese ist das blühende Leben und hat – so sie bei der Wiesenmeisterschaft des Landkreises Böblingen eine Chance haben will – 20 Ar groß zu sein und muss mindestens „vier verschiedene heimische Wiesenb­lumen“ vorweisen können.

13 Landwirte und Stücklesbesitzer haben sich bei der Premiere beworben. Das sei „ein schönes Ergebnis“, sagt der Böblinger Landrat Roland Bernhard – und zeigt doch gleichzeitig auch, dass es selbst im ländlichen Bereich von Weissach bis ­Herrenberg und von Weil der Stadt bis Schönaich inzwischen etliche Wiesens­lücken gibt.

Natürlich, wiesbegierig wie wir Sie als anspruchsvolle Leser kennen, möchten Sie nun wiesen, welche Wiese das Rennen gemacht hat. Wir müssen Sie ­enttäuschen. Wir wiesen es nicht. Noch hat die Wiesenschaft ihr Urteil nicht gesprochen.

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