Kluge Köpfe lassen sich gern vor Bücherwänden ablichten Foto: dpa

Gute Themen gehen immer, lautet eine alte Journalistenweisheit. Mag schon sein, meint StN-Kolumnist Tom Hörner – und erbringt den Beweis, dass es auch ohne Thema geht.

Stuttgart - Diese Woche habe ich etliche Menschen um einen Freundschaftsdienst gebeten. Alle sagten sie: „Kein Thema.“ Nicht einer sagte: „Ja, das mache ich gern für dich.“ Oder: „Das kann ich tun, kein Problem.“

Nur mal angenommen, Sie würden mich bitten, etwas Nettes, vielleicht sogar etwas Humoristisches für Sie in dieser Kolumne zu schreiben, dann würde ich ­antworten: „Kein Thema.“ Das trifft den Nagel schon deshalb auf den Kopf, weil ich keines habe, also ein Thema.

Selbst wenn man ein Thema hat, ist es nicht immer ganz einfach, eine ­Zeitungsspalte zu füllen. Mal ist das ­Thema so komplex, dass der Platz kaum reicht. Mal ist mit zwei, drei Sätzen alles gesagt. Gut, die Arbeit wird bezahlt, ich erwarte kein Mitleid, ich erwähne das nur, um auf den Umstand hinzuweisen, dass es ohne Thema noch schwieriger ist. ­Schreiben, ohne ein Thema zu haben, gilt als Königsdisziplin.

„ Eigentlich geht das nicht“, sagt mein Schreibtischnachbar. „Aber wenn es einer schafft, dann du.“ Ich habe nichts gegen Komplimente, vor ­allem, wenn sie mich betreffen. Aber wenn zu dick aufgetragen wird, kommt man ins Grübeln. Warum sagt der das? Ist er beim Einparken an meinem Wagen hängen geblieben? Wird er in Kürze mit einer unverschämten Bitte an mich heran­treten, die ich nun unmöglich ablehnen kann? „Könnest du mal den Chef wegen einer Gehaltserhöhung für mich anhauen?“ „Kein Thema.“

Hin und wieder bekommen Zeitungsredaktionen ungefragt Bücher zugeschickt. Manche schickt man zurück, manche behält man. So ein Regal voll mit Büchern ist praktisch. Zum einen geben sie einen artgerechten Hintergrund ab, falls mal ein TV-Team zum Interview hereinschneit. Zum andern kann man in den Büchern blättern, falls einem nichts einfällt. Ich bitte zu beachten, dass ich trotz fehlenden Themas kein ­Buch in die Hand genommen habe.

So, meine Damen und Herren, geschafft, die Spalte ist so gut wie voll. Kommende Woche dann wieder mit ­Thema. Kein Thema.

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