Silberrücken mit behaarten Problemzonen. Foto: dpa

Sie sind männlich, nicht mehr ganz jung und suchen den Dialog mit der Jugend? StN-Kolumnist Tom Hörner rät zu einem Gespräch über Körperbehaarung.

Stuttgart/New York - Es ist ein Kinderspiel, als älterer Mensch mit jungen Leuten intensiv ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel beim Thema Körperbewuchs wird es schnell emotional, man kriegt sich ruckzuck in die Wolle.

Um die erhoffte Wirkung zu erzielen, muss man nicht mal das Hemd ausziehen, es reicht der zarte Hinweis, dass bei einem mitteleuropäischen Mann ab einem ­gewissen Alter die Haare auf dem Kopf zwar Ausfallerscheinungen zeigen, dafür sich aber am Rücken allerhand tut, so dass man von einem Nullsummenspiel sprechen kann. Wäre das anders, würde Haarausfall in Männermagazinen als Abnehmmethode gefeiert.

„Ihhhhhh“, protestiert das heranwachsende Gegenüber für gewöhnlich bei besagtem Thema. In der Regel führt schon die zarteste ­Anspielung bei Menschen zwischen, sagen wir mal, acht bis achtunddreißig, zu schwersten Brechreiz- und Schreiattacken. Falls die Reaktion wider Erwarten ausbleiben sollte, hilft es, sich auf die Weltpresse zu berufen, etwa die „New York Times“, die einen „Trend zu mehr Natürlichkeit“ ausgemacht haben will. Da Epilatoren in der freien Natur nicht vorkommen, kann nur eines gemeint sein: Meister Pelz ist wieder schwer im Kommen.

In meiner Heimatstadt ist diese Erkenntnis noch nicht angekommen, weder bei jungen Leuten, noch beim gewerbetreibenden Mittelstand. In den Auslagen eines Geschäfts las ich diese Woche: „Lass waxen statt wachsen“.

Doch nun zum Thema. Ein in meiner unmittelbaren Nachbarschaft arbeitender Kollege trägt den Nachnamen Haar. Bei Telefonaten pflegt er zu sagen: „Haar, wie die auf dem Kopf“. Jedes mal flüstere ich halblaut dazwischen: „Wie die auf dem Rücken“. Irgendwann, da bin ich mir sicher, wird der Herr Haar, ohne es zu wollen, sagen: „Wie die auf dem ­Rücken.“ Sollte dann zufällig ein junger Mensch am Telefon sein, wird mir das nicht entgehen. Ich weiß, das wird irgendwann passieren. Ich habe Zeit. Viel Zeit. Denn nur die auf dem Kopf werden weniger.

So, Kinder, ihr dürft jetzt: Ihhhhhh!

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