In Bondorf protestierten Bürger gegen eine Erddeponie. Foto: factum/Granville

Diese Woche sorgt die Kreistags-CDU für Proteste und ein grüner Minister sucht das Kleingarten-Idyll. Dafür ergreifen Frauen die Initiative.

Böblingen - Kartell-Vorwüfe und Diesel-Skandal? Franz Untersteller schaut sich im Kreis Böblingen lieber einen Selbsterntegarten an. Auf seiner Sommertour machte der grüne Landesumweltminister diese Woche Station im Böblinger Stadtgarten. Dort bauen sieben Bürger Gemüse für alle an. „Tolle Aktion“, lobte der Politiker laut der Lokalzeitung und zupfte eine Blüte von einer Blume ab, um sie zu verspeisen. Auch jeder Normalbürger darf sich in den Beeten selbst bedienen – mit Schnittlauch, Kartoffeln oder Kohl zum Beispiel. Allerdings scheint so mancher Passant das Angebot des Teilens falsch verstanden zu haben: Die Initiative nutzte den prominenten Besuch für eine Bitte um eine diebstahlsichere Geschirrhütte. Im Lauf der Visite erhielt das Idyll dann noch weitere Risse, denn nicht jedes Gemüse landet tatsächlich in einem Kochtopf. So manche Tomate sei auch schon als Wurfgeschoss missbraucht worden, bekam der grüne Politiker zu hören.

Möglicherweise kommen die Bondorfer nun auf die Idee, in Böblingen die Ernte einzufahren. „Wir werden kämpfen“, haben sie schließlich deklariert, und sei es gegen Windmühlen. Die CDU stellte in dem Ort nämlich kurzerhand das Weltgefüge auf den Kopf, indem sie für eine Kette von 100 protestierenden Menschen sorgte. Solche Aktionen waren bislang eher das Metier des Koalitionspartners in der Landesregierung, aber die Konservativen haben sich wohl vorgenommen, von Siegern zu lernen. Man nehme ein unattraktives Bauprojekt (wie Stuttgart 21), alte Bäume (wie im Schlossgarten) und mantrahafte Wiederholungen von angeblichen Alternativen (K 21), lautet das verbriefte Erfolgsrezept. Die Kreistags-CDU hat in der Erddeponie ihren Selbsterntegarten erkannt.

Risse in der Idylle

Wie der grüne Umweltminister begibt sich die Fraktion gerade auf eine medienwirksame Tour durch Wälder und Wiesen – und sorgt für weitere Risse in der Idylle. „Keine Deponie auf bestem Ackerland“, hatten die vom Politikerbesuch aufgebrachten Bürger auf ein Plakat geschrieben. So viel Aufwand wäre gar nicht nötig gewesen, denn der Standort ist sogar laut CDU für eine Erddeponie völlig ungeeignet – aber umso mehr für jede Menge Auftrieb. Da sieht es im Ehninger Wald ganz anders aus: Eichen und Elsbeeren bewunderte die Reisegruppe an dieser Stelle, die auf der Standortliste viel höher rangiert. Aber angesichts von Flora und Fauna verfrachteten die Kreisräte die Erddeponie daraufhin in einen Steinbruch, auch wenn das Landratsamt hartnäckig behauptet, sie seien alle abgegrast.

Manche Felder muss man unablässig beackern, bis sich der Erfolg einstellt. Die Politikerinnen im Kreis geben auch nach Jahren der Gleichberechtigung nicht auf. Sie wollen parteiübergreifend zur Kommunalwahl 2019 mehr Frauen in die Gremien bringen und fordern die Hälfte der Sitze ein. Im Kreistag liegt ihr Anteil bei mageren 26,2 Prozent, in manchem Gemeinderat stellen Frauen sogar weniger als 17 Prozent der Mitglieder. „Unsere Kommunen brauchen die Erfahrung, das Wissen und die Kompetenz von Frauen“, sagen die Aktivistinnen. Im Böblinger Selbsterntegarten wüssten sie beispielsweise ordnungsgemäß mit Tomaten umzugehen, und dass man mit Wunschdenken nicht weit kommt, haben sie mittlerweile gelernt. Frida heißt ihre Kampagne. Etymologisch stammt der Name vom Wort Friede ab.

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