Dr. Brinkmann gibt es nicht mehr – das findet zumindest der Landrat. Foto: dpa

In unserer Kolumne Alles Binko wird die Frage geklärt, warum der Landrat ein Weinberg-Steinlagen-Mauerkönig ist, und warum die Schwarzwaldklinik tot ist.

Ludwigsburg - So mancher hat den Landrat Rainer Haas scherzhaft schon mal als „Sonnenkönig des Landkreises“ bezeichnet. Über diese Titulierung mag man streiten, gleichwohl die Analogie zum absolutistischen Louis XIV. und dem barocken Schloss Vers... äh, Favorite irgendwie nahe liegt. Nun gut, aber egal – einen Titel darf Rainer Haas jedenfalls zu Recht tragen: Weinberg-Steilmauern-König.

Wie das? Der Kreischef höchstselbst hat es bei der Pressekonferenz der Königlichen Hofkammer, pardon ..., äh, ja, Kreissparkasse! Das war es! ... jedenfalls hat er dort verkündet: Auch andere Kreise mögen steile Weinberge haben, aber kein anderer in Deutschland (!) hat so herrliche Weinberg-Steilmauern. Wie schön, dass man mit dem Kreis-Sparkässchen ein wenig Geld für deren Erhaltung spenden kann.

Nun denn – nicht nur Louis XIV. ist längst verblichen. Auch Dr. Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik gibt es nicht mehr. Diese ebenso banale wie erhellende Erkenntnis hat der Landrat im Kreistag jüngst zum Besten gegeben, und es den Marbachern gleich ins Stammbuch geschrieben, die aus der Sicht des Sonnenkönigs wohl doch an ihrer Bilderbuchidylle hängen: „Das Konzept der Schwarzwaldklinik ist tot, auch in Marbach.“ Zack, das hat gesessen. Und dann mussten sich die so geschulmeisterten Marbacher noch mit ansehen, wie der alte Fuchs Manfred List, ehedem OB von Bietigheim-Bissingen, ein wenig tricksen wollte. „Seine“ Stadt erhält ja ohnehin eine von zwei Großkliniken im Kreis. Doch das reichte ihm nicht.

Die List von Manfred List

List wollte den Marbachern sogar die Belegklinik madig machen, die man ihnen hoch und heilig als Ausgleich für die Schließung ihres „Schwarzwald“-Krankenhauses versprochen hatte. Da war der Aufstand nahe, der Marbacher Alt-Bürgermeister Herbert Pötzsch hatte schon im Geiste zum Hörer gegriffen und Klausjürgen Wussow und Wolfgang Rademann für die Produktion eines Werbespots ... ach nein, die Herren weilen ja leider auch nicht mehr unter uns. Tempi passati!

In Ludwigsburg hingegen hält man sich nicht viel mit der Vergangenheit auf, im Rathaus jagt eine Vision die nächste. Mit einer Seilbahn will der OB Werner Spec bekanntlich das neue Silicon Valley in der Weststadt mit dem Wohlfühl-Bahnknotenpunkt in der City verbinden. Der Sozialbürgermeister Konrad Seigfried hat diesen Gedanken kürzlich ironisch weitergesponnen – übrigens ebenfalls auf einer Pressekonferenz, nicht von der Kreissparkasse, sondern von der Wohnungsbau.

Denn Ludwigsburg ist ja ein beliebter Hochzeitsort, nicht nur in königlichen Gemächern. „Könnte man nicht die Seilbahn-Gondel als Ort für Trauungen anbieten?“ scherzte der wortgewaltige Dezernent. Perfekt, schwebend über den Dingen, da würde sich der Bräutigam fast wie ein Sonnenkönig fühlen. Aber Vorsicht, nicht zu nah ans Licht, Herr Ikarus, möchte man da einwerfen. Aber genug der Allegorien.

Zum Abschluss blickt auch Konrad Seigfried gerne zurück. In seine Kindheit. Als er nämlich schwimmen lernen musste – an einer langen Stange hängend ohne echte Hilfe des Lehrpersonals. Ein traumatisches Erlebnis, das ihn bis heute verfolgt. Deswegen will er Ludwigsburger Kindern das ersparen, und finanziert Schwimmlehrer in der Stadt. Das ist doch mal eine wirklich tolle Vision – an der hätte sogar Dr. Brinkmann seine helle Freude. Wetten?

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