Warten vor käfiggroßen Meldebüros: das Ludwigsburger Bürgerbüro soll umgebaut werden. Foto: factum/Archiv

Ludwigsburg versucht seit geraumer Zeit, das Bürgerbüro attraktiver zu machen. Aber wer sich etwa in der Stadt neu anmelden will, fühlt sich in diesen Korridoren eher geduldet als willkommen geheißen.

Ludwigsburg - Die Stadt Ludwigsburg versucht schon seit geraumer Zeit, vor dem Bürgerbüro wartenden Leuten die Zeit mit kleinen Videoclips zu vertreiben. Aber das ändert nichts daran, dass es dort sehr beengt zugeht: für die Kunden, aber auch für die Mitarbeiter. Wer sich etwa in der Stadt neu anmelden will, fühlt sich in diesen Korridoren eher geduldet als willkommen geheißen. Das soll nun nach dem Willen des Oberbürgermeisters und auch des Ersten Bürgermeisters anders werden. „Wir möchten die Räume offener gestalten und so eine Empfangssituation schaffen“, sagt Konrad Seigfried. Der Verwaltungsausschuss im Gemeinderat hat seine Zustimmung signalisiert.

Schülerzahlen steigen weiter an

Bis vor drei Jahren verfolgte die Verwaltung andere Pläne. Damals ging sie davon aus, dass die Räume der ehemaligen Sicherschule– und hier vor allem der sogenannte Backsteinbau – spätestens 2018, wenn die Generalsanierung im Goethe-Gymnasium abgeschlossen ist, leer stehen würden. Somit seien sie frei für eine andere Nutzung, etwa für die lange gewünschte Arrondierung der Verwaltung. Die Planspiele sahen vor, dass das Bürgerbüro im Backsteinbau einquartiert werden könnte. Um genug Raum und die gewünschte Transparenz zu erzielen, sollte ein gläserner Kubus vorgebaut werden. Auch hier wäre die grundsätzliche Nähe zum Rathaus und zum Rathausplatz erhalten geblieben.

Dass es so nicht kommen wird, hat sich bereits Ende 2014 angedeutet, als bekannt wurde, dass die ehemalige Silcherschule für 1,2 Millionen Euro saniert und brandschutztechnisch nachgerüstet werden soll. „Damals wurden wir etwas belächelt“, sagt Seigfried. Die meisten Stadträte hielten eine derart hohe Investition für eine Nutzung bis 2018 für unverhältnismäßig. „Heute wissen wir, dass wir dieses Gebäude nicht nur als Übergangsquartier für das Goethe-Gymnasium brauchen werden“, sagt der Erste Bürgermeister. Nach jüngsten Hochrechnungen werden die Schülerzahlen in Ludwigsburg vermutlich noch zehn Jahre lang ansteigen. Bis dahin werde es noch viele Rochaden geben, weil Räume knapp sind. Die Lage entspanne sich frühestens Mitte der 2020-er Jahre.

Über all den dringenden Maßnahmen für Schulen und Kindergärten dürften aber die Ämter nicht vergessen werden. Auch wenn es hier nicht um eine unmittelbare Notsituation gehe, könne man die Situation beim Bürgeramt nicht einfach hinnehmen. „Das betrifft viele Bürger, und auch die Mitarbeiter müssen auf engstem Raum arbeiten“, sagt Seigfried.

Kasernenmauern aufbrechen

Noch seien die Pläne nicht sehr konkret, aber sowohl der Oberbürgermeister als auch der Erste Bürgermeister möchten das Ansinnen in die nächsten Haushaltsberatungen einbringen. Was sich bisher als abweisende und geschlossene Front in Kasernenmanier präsentiere, habe durchaus eigene Reize, sagt Werner Spec. So gibt es etwa im Inneren des Gebäudes an der Wilhelmstraße 9 großzügige Zugänge und stilvolle Treppenhäuser. Dennoch befinde sich das eigentliche Bürgeramt eingeklemmt zwischen langen Korridoren und käfiggroßen Büros. „Wir haben hier eine räumliche Option“, sagt Seigfried. „Wir müssen die geschlossene Front auflösen und sie zur Stadt hin öffnen.“

Um ausreichend Platz für das Bürgerbüro zu schaffen, sollen andere im gleichen Gebäudeflügel untergebrachte Abteilungen umziehen – allen voran die IT-Abteilung. „Die Server sind hier ohnehin nur suboptimal untergebracht“, sagt Seigfried. Und wenn man schon beim Neu- und Umbauen sei, könne man auch gleich noch dem Standesamt eine neue Heimat bieten, indem man es von der Oberen Marktstraße an die Wilhelmstraße 9 hole.

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