Das Landgericht Stuttgart hat einen 24-jährigen Brasilianer wegen Kokainschmuggels zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mann hatte knapp ein Kilogramm des Rauschgifts in seinem Magen von São Paulo nach Stuttgart geschmuggelt.
Stuttgart - Der Sportstudent hätte um Haaresbreite sein Leben verloren - er war von einem Bekannten namens Ribama in São Paulo angeworben worden. Es sei ganz leicht, er habe das auch schon gemacht, so der Auftraggeber. Am 15. März dieses Jahres schluckte der 24-Jährige sage und schreibe 100 längliche Plastikpäckchen mit dem Kokain, nachdem er dies mit kleinen Möhrchen trainiert hatte. Dann stieg er ins Flugzeug und flog über Zürich nach Stuttgart, wo er in einem Hotel in der Innenstadt eincheckte, um die Päckchen auszuscheiden.
Am Abend des 16. März alarmierten Hotelmitarbeiter den Notarzt, weil es dem Gast aus Brasilien zusehends schlechter ging. Er kam in eine Klinik, wo man feststellte, dass ein sogenanntes Bodypack in seinem Magen geplatzt war. „Sein Leben stand auf Messers Schneide“, sagt Jörg Geiger, Vorsitzender Richter der 17. Strafkammer. Der 24-Jährige konnte gerettet und schließlich festgenommen werden.
Vor Gericht legte der von Verteidiger Franz Friedel vertretene Angeklagte ein Geständnis ab. Er habe finanzielle Probleme gehabt, das Leben in São Paulo sei für einen Studenten sehr teuer, so der junge Mann. Er bereue seine Tat, er habe eine falsche Entscheidung getroffen.
Ein Kriminaloberkommissar sagte aus, es deute alles darauf hin, dass der Mann ein Ersttäter sei. Sein SMS- und Whatsapp-Verkehr zeige, dass er für jeden Schritt neue Anweisungen bekommen habe. Der Angeklagte sagte aus, er sei noch nie zuvor in Europa gewesen.
Der Polizeibeamte zeigte sich überrascht über die Qualität des Kokains aus Brasilien: „Es hatte 68 Prozent Reinheitsgehalt. So einen Fall hatte ich noch nie. Normal sind zwischen 30 und 40 Prozent.“ Der Straßenverkaufswert des Stoffs liegt bei weit über 100 000 Euro. Der Angeklagte sollte nach eigener Aussage 8000 Euro Kurierlohn bekommen. Jetzt kann er froh sein, dass er mit dem Leben davongekommen ist.