Fieberhaft gehen die Ermittlungen im Doppelmordfall weiter Foto: Piechowski

Während einerseits der auffällige Koffer für die Kripo eine wichtige Rolle spielt, gehen die Ermittlungen im Umfeld des 50-jährigen Obdachlosen - offenbar genannt "Schwarzer Peter" -  weiter. Die weibliche Leiche soll seine Bekannte sein – der DNA-Abgleich steht aber noch aus.

Während einerseits der auffällige Koffer für die Kripo eine wichtige Rolle spielt, gehen die Ermittlungen im Umfeld des 50-jährigen Obdachlosen - offenbar genannt "Schwarzer Peter" -  weiter. Die weibliche Leiche soll seine Bekannte sein – der DNA-Abgleich steht aber noch aus.

Stuttgart - Man kann einen solchen Koffer im Kaufhof erwerben. Ein Hartschalenkoffer der Marke Eminent ist Massenware. Doch dieser Koffer, in dem einer der beiden Leichen steckte, die am Bahndamm im Unteren Schlossgarten im Stuttgarter Osten zurückgelassen wurden, ist ein Unikat. Der Besitzer hatte ihn mit silbernen Rössle verziert, per Schablone auf die blaue Hartschale gesprüht. Wie auffällig! Demjenigen, der zwei Leichen verschwinden lassen wollte, war’s vermutlich egal. Er brauchte zwei Koffer, in die man zwei Menschen einpacken konnte. Also nahm er sich das alte, gebrauchte Gepäckstück. Das Modell mit knapp 80 Zentimeter Höhe und zwei Laufrollen gibt es längst nicht mehr zu kaufen.

Die Sonderkommission Damm der Kripo hofft nun über Telefon 07 11 / 89 90 - 54 68 auf Hinweise auf den Kofferbesitzer. Ohne das Fahndungsbild hatte sich das Hinweisaufkommen bisher in Grenzen gehalten: „Bisher gab es über 40 Hinweise“, sagt Polizeisprecher Thomas Ulmer, „eine heiße Spur war allerdings nicht darunter.“

Nach dem Doppelmord mit zwei Leichen in Koffern hat der Gerichtsmediziner am Dienstag so manches Rätsel lösen können. Demnach sind der Mann und die Frau an den Folgen zahlreicher Stich- und Schlagverletzungen gestorben. Sie waren am Kopf und in den Oberkörper getroffen worden, wurden anschließend in die Koffer gelegt und auf noch nicht eindeutig geklärtem Weg zum Schlossgarten transportiert. Der Fundort hinter einer Betonmauer am Bahndamm ist etwa 200 Meter von einem Grillplatz mit Kiosk entfernt. Die Tatzeit dagegen ist noch nicht genauer eingegrenzt – sie dürfte aber ein paar Tage zurückliegen.

Bei der Frage nach den Opfern hält sich die Mordkommission bedeckt. Polizeisprecher Ulmer wollte über den 50-jährigen Mann auch nur das bestätigen, was die Stuttgarter Nachrichten bereits berichtet haben: „Das männliche Opfer hatte sich häufiger im Stuttgarter Osten im Obdachlosenmilieu aufgehalten.“ Der 50-Jährige Wohnungslose, wegen Diebstählen und diverser Schwarzfahrten polizeibekannt, soll in der Szene „Schwarzer Peter“ genannt worden sein – allerdings gibt es in diesen Kreisen viele Geschichten mit blühender Fantasie zu hören.

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In den Tagesstätten der Ambulanten Hilfe oder der Caritas jedenfalls wollen manche wissen, wer’s gewesen sein könnte und wie die Leichen in die Koffer kamen. Die Sozialarbeiter gehen damit zurückhaltend um. „Mit solchen Aussagen muss man höchst vorsichtig sein“, sagt Henning Uber von der Ambulanten Hilfe. Das Thema ist laut Harald Wohlmann von der Caritas auch noch gar nicht so richtig angekommen. Die Anlaufstellen werden von zahlreichen Osteuropäern besucht, die von der Nachrichtenlage wenig mitbekommen hätten. Die wenigsten scheinen den Fall als Bedrohung zu empfinden: „Zumindest die Streetworker können keine großen Stimmungsumschwünge feststellen“, sagt Henning Uber.

Über die Identität der zweiten Leiche, eine Frau, hält sich die Sonderkommission noch bedeckt. Aus Obdachlosenkreisen war der Hinweis auf eine Bekannte des 50-Jährigen gekommen. Das wurde am Dienstag geprüft – und nicht ausgeschlossen. Die Bekannte hat eine Unterkunft, war aber nicht anzutreffen. Über den Vergleich eines genetischen Fingerabdrucks aus ihrem Besitz, in der Regel nimmt man Gegenstände wie eine Zahnbürste dazu, soll die Identität bestätigt oder ausgeschlossen werden. „Das Ergebnis lag bis Dienstagabend aber nicht vor“, so Polizeisprecher Ulmer. Immerhin: Die Räume der Bekannten sind offenbar nicht der Tatort. Blutige Spuren eines Kampfes wurden jedenfalls keine gefunden.

Inzwischen sind Spekulationen laut geworden, dass sich der Tatort im Nordbahnhofviertel jenseits der Bahngleise befunden haben könnte. Ein Trampelpfad an der Böschung hinter dem Fundort der beiden Leichen deute darauf hin, dass der Weg hinüber zum Kinozentrum Ufa-Palast verbotenerweise von Passanten als Abkürzung benutzt werde, so ein Hinweisgeber. Nach dieser Theorie hätten der oder die Täter quasi von hinten zum Schlossgarten gelangen können, ohne im Park aufzufallen.

Freilich weist der steile Trampelpfad auch die Trittspuren zahlreicher Fotografen auf, die am Montag von dort aus die Sucharbeit der Kriminaltechniker und Bereitschaftspolizisten dokumentierten. „Wir schließen nicht aus, dass der oder die Täter diesen Weg über die Gleise genommen haben könnten“, sagt Polizeisprecher Ulmer. Allerdings gebe es bei der Soko unter Berücksichtigung aller Spuren „die Einschätzung, dass der Fußweg durch den Park die wahrscheinlichere Variante ist“. Ob dort der blaue Koffer mit den silbernen Rössle-Abbildungen aufgefallen ist?

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