Rund um den Sportplatz der Schule wachsen mehrere alte, hohe Bäume. Foto: Julia Bosch

In den kommenden drei Jahren erhält die Körschtalschule in Stuttgart-Plieningen eine Erweiterung. Dafür müssen insgesamt 13 Bäume weichen. Doch als Entschädigung pflanzt die Stadt Stuttgart nun doch mehr neue Bäume als ursprünglich vorgesehen war.

Plieningen - Nichts, aber auch gar nichts, hat Caroline Breitenbach gegen die geplante Erweiterung der Körschtalschule. Die Plieningerin wohnt direkt hinter der Gemeinschaftsschule; wer mit ihr telefoniert, hört im Hintergrund die Schulkinder auf dem Schulhof krakeelen. An Trubel und Lärm ist Caroline Breitenbach gewöhnt. Doch sie ärgert sich, dass im Rahmen des Neubaus insgesamt 13 alte Bäume rund um die Schule gefällt werden müssen – und über die fehlenden Infos der Stadt Stuttgart dazu. Doch von Beginn an.

Bis 2021 soll auf dem Areal der Gemeinschaftsschule ein Erweiterungsbau in Modulbauweise entstehen, in dem mit zusätzlichen 1200 Quadratmetern genügend Platz für die Ganztagsbetreuung der Grund- und Gemeinschaftsschüler sein soll. In dem Neubau sollen für mehr als 8,5 Millionen Euro zwölf Klassenzimmer gebaut werden. Dazu kommt eine zweigeschossige Mensa für die Körschtalschule und das Paracelsus-Gymnasium für 7,1 Millionen Euro. Außerdem sind Umstrukturierungen für 5,5 Millionen Euro geplant.

In der Innenstadt gelten strengere Baumregeln

Im Rahmen dieses Neubaus sollen im Januar und Februar kommenden Jahres 13 alte Bäume an der Paracelsusstraße und der Hochbruckstraße gefällt werden. „Es handelt sich dabei um fünf Stieleichen, zwei Rotbuchen, drei Winterlinden, zwei Bergahorne und eine Hainbuche“, bestätigt Martin Thronberens, Sprecher der Stadt. Ursprünglich war geplant, als Kompensation lediglich vier neue Bäume zu pflanzen. Da Plieningen außerhalb des sogenannten Geltungsbereichs der Stuttgarter Baumschutzsatzung liege, müssen gefällte Bäume nicht zwingend ersetzt werden, erläutert er. Nur in der Stuttgarter Innenstadt gelten die strengeren Regeln. Dennoch habe sich die Stadt nun umentschieden und wolle im Laufe des Herbsts und Winters 2020 statt vier insgesamt 14 neue Bäume rund um die Körschtalschule pflanzen.

Christine Breitenbach findet das gut, ärgert sich aber dennoch über die Baumfällungen. Das liegt auch daran, dass sie und ihr Mann mehrere Jahre lang keinen Ast einer Eiche kürzen dürften, die auf dem Gelände der Körschtalschule gewachsen ist: „Dieser mächtige Ast hat über Jahre hinweg rund fünf Meter weit in unseren Garten geragt und ihn beschattet. Die Stadtverwaltung teilte uns jedoch mit, dass wir aus Gründen des Umweltschutzes den Ast nicht absagen dürfen.“ Erst als der benachbarte Baum umgestürzt war, habe das Paar den Ast schließlich kürzen dürfen. „Und jetzt werden einfach so 13 Bäume gefällt.“ Martin Thronberens von der Stadtverwaltung kann dazu nur wenig sagen: „Der Vorgang, dass ein Ast aus Naturschutzgründen nicht abgeschnitten wird, ist uns nicht bekannt. Das Naturschutzgesetz regelt nur, zu welchen Zeiten Baumfäll- und Baumschnittarbeiten stattfinden sollen.“

„Wer liest schon alle Amtsblätter durch?“

Insgesamt ist Christine Breitenbach der Meinung, dass die direkten Nachbarn in Plieningen zu wenig über die nahenden Baumfällungen rund um die Körschtalschule informiert wurden: „Die erste Ankündigung stand im August im Amtsblatt – in einem Monat, in dem so gut wie jeder im Urlaub ist. Und wer liest schon nach seinem Urlaub alle erschienen Amtsblätter durch?“ Der Pressesprecher der Stadt entgegnet, dass es bei Baumfällungen in der Regel keine Beteiligung der Anwohner gebe. Dafür sollen die Anlieger aber bezüglich des Baugenehmigungsverfahrens zu dem Erweiterungsbau der Körschtalschule beteiligt werden, verspricht er.

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