Alex und Romy Jostmann zeigen im Weltweihnachtscircus in Stuttart eine temporeiche Vorführung mit ihren sechs Königspudeln. Wie sind sie auf den Hund gekommen?
Sie gelten als intelligent, konzentriert, aktiv und treu – die Königspudel. Erstmals zeigt der Weltweihnachtscircus diese größte Tierart unter den Pudeln, die sich auch als Therapie- und Blindenführhunde eignen, in seinem Programm. Vorgestellt werden sie von Alex und Romy Jostmann, die mit Megan, Candy, Sophia, Charlotte, Chloe und Coco Chanel auftreten. In der Manege springen die Tiere übereinander, tanzen mit Romy Jostmann, balancieren über eine Tonne und springen über kleine Barrieren – in Europa die einzigen Königspudel, die das können, erklären die beiden Artisten.
Die Königspudel des Jostmanns, die bis zu 60 Zentimeter groß werden, sind mit ihrem buschigen schwarzen und weißen Fell auf ganz besondere Weise frisiert. Dabei ist viel Bein ist zu sehen. Die Frisur hat ihre 21-jährige Tochter Nicole Jostmann gestaltet. „Ich habe diese Frisuren bei einem Königspudel-Wettbewerb gesehen“, sagt sie. Das habe ihr so gut gefallen, dass sie es so nachgeschnitten hat. Für die Jostmanns zählen die quirligen Vierbeiner zur Familie.
Alex Jostmanns Vater hat deutsche Wurzeln
Der 45-jährige Alex hat deutsche Wurzeln: Sein Vater lebte in den 1970er Jahren in Ingolstadt, wo er auch geboren ist. Dann ging er nach Südamerika, wo Alex Jostmann zur Welt kam. Der Sohn lernte dort nur Portugiesisch, Spanisch, Italienisch, aber kein Deutsch. Die Mutter von Romy Jostmann (42) stammt aus Brasilien, der Vater aus Chile. Kennengelernt haben sich Romy und Alex im italienischen Zirkus Orlando Orfei.
2015 haben sie begonnen, die Pudel-Vorführung zu entwickeln – mit viel Geduld und Belohnungen. Es gibt Süßes oder Saures. Ganz nach dem Geschmack der Vierbeiner. Die eine mag mehr Salziges, die andere Süßes. Candy mag gerne Süßes, Kekse, wie der Name schon verrät. Die Namen der anderen Tiere beziehen sich auf Modestars. Die Namen hat Modefan Alex Jostmann für die Vierbeiner ausgesucht.
Fünf der Pudel stammen aus Italien
Für beide Artisten ist es wichtig, dass ihre Tiere glücklich sind. Die Pudel, allesamt Weibchen, kommen aus dem Zirkus Orlando Orfei – außer Chloe, sie kommt aus Ungarn. Die Tiere sind gut aufeinander eingespielt. Keines will besser sein als das andere. Sie streiten nicht, erzählen Jostmanns.
Ein Jahr lang hat es gedauert, bis sie alle Tricks gelernt hatten. Und das geschah wie im Spiel und aus dem Spielen heraus, beschreiben es die Artisten. „Wir wollen ihr Glück und ihre Schönheit zeigen“, sagt Romy Jostmann, die die Atmosphäre und den Applaus im Stuttgarter Weltweihnachtscircus genießt. Drei Jahre lang traten sie mit den Hunden im Zirkus in Italien auf, dann 2021 in Ungarn im Zirkus Florian Richter und von 2021 bis 2025 bei Josef Richter. In Italien gewannen sie beim Circus-Festival einen Kritikerpreis. In diesem Jahr waren sie beim Frankreich-Festival in Massy dabei. In zwei Jahren werden sie beim 40-Jahr-Jubiläum des Zirkus Carré in Amsterdam auftreten. „Die Hunde sind das Beste, was einem im Leben passieren kann. Sie sind sehr intelligent und einfühlsam“, sagen die beiden. Und all die Freude, die sie mit den Vierbeinern teilen, haben sie in ihre Vorführung gepackt. Springen, tanzen, balancieren und miteinander Spaß haben. Charlotte hat eines Tages begonnen zu springen, um sich das Futter zu holen. Dann sprang sie über ein kleines Hindernis. Heute ist es der einzige Pudel in Europa, der solche Sprünge kann.
Alex Jostmanns Vater war einst Pferdetrainer. Die Leidenschaft für Tiere hat sich auf ihn übertragen – auch von dessen Großvater, der das an seinen Sohn weitergegeben hat. Mit 14 Jahren wurde Alex Jostmann Tierlehrer. Ihm gefällt es, zu schauen und herauszufinden, was die Tiere wollen. Die Tricks bringt er ihnen nur mit Bewegungen bei. „Das Training ist eine Kunst“, sagt Jostmann. Es sei nicht einfach, erfordere viel Geduld und Verständnis.
Romy Jostmann ist begeistert von der Schönheit und dem Charakter der Königspudel. „Es macht mich glücklich mit ihnen in der Manege zu sein und zu leben.“ Die Pudel indes machen ihrem Namen alle Ehre: Sie sind kleine Ballerinas auf vier Pfoten, die keinen Dreck mögen. Ihre Herrchen und Frauchen haben somit auch immer alle Hände zu tun, sie täglich zu bürsten und sauber zu halten, damit die sensiblen Tiere glücklich sind, die noch vor ihren Tierlehrern genau wissen, wann ihr Auftritt beginnt und wann er zu Ende ist. Die Musik hilft dabei, ihr Temperament zeigen zu können. Vielleicht auch mal in Monte Carlo? Ein Auftritt dort zählt zu den größten Träumen der Jostmanns. Auch dort würden sich die Vierbeiner sicher pudelwohl in der Manege fühlen und mit viel Applaus bedacht werden.
Der Weltweihnachtscircus gastiert noch bis 6. Januar 2025 auf dem Cannstatter Wasen. Karten gibt es für 28 bis 72 Euro plus Vorverkaufsgebühr (Kinder und Senioren um fünf Euro ermäßigt) unter Telefon 07 11 / 255 55 55.